Wirtschaft : „Hitzewellen und Starkregen nehmen zu“ Risikoforscher Höppe über extremes Wetter

Foto: promo
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Herr Höppe, das Jahr hat dramatisch begonnen: Erdbeben in Japan, Überschwemmungen in Australien und jetzt noch die Tornados in den USA. Geht es so weiter?

Das ist schwer zu sagen. Unser Wetter ist in diesem Jahr bisher von La Niña beeinflusst worden. La Niña ist eine Ausprägung einer natürlichen Schwingung von Meeresströmungen und verändert die Meerestemperaturen. La Niña beginnt im Südpazifik, hat aber auch Einfluss auf die Tornadoaktivität in den USA und beeinflusst die Gefährdung durch Hurrikane und Dürren. La Niña geht jetzt langsam zu Ende, und wir kommen in eine neutrale Phase.

Wie hat sich La Niña bemerkbar gemacht?

In den USA ist die Tornadosaison besonders heftig verlaufen. Wir hatten in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Tornados, so viele wie noch nie zu diesem Zeitpunkt in der Saison. Das ist besorgniserregend.

Wie häufig gibt es das La-Niña-Phänomen?

Alle drei bis sieben Jahre.

Gibt es einen Zusammenhang mit dem Klimawandel?

Es wird diskutiert, ob der Klimawandel die Häufigkeit und die Intensität von La Niña und des Gegenspielers El Niño beeinflusst. Aber das lässt sich noch nicht sicher beantworten.

Gibt es andere Phänomene, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind?

Die jüngsten Überschwemmungen am Mississippi könnten durch den Klimawandel verstärkt worden sein. Sie sind hervorgerufen worden durch die enorm hohen Schneemengen aus dem Winter, die im Norden geschmolzen sind, und die starken Niederschläge durch die heftigen Unwetter, aus denen auch die Tornados entstanden sind. Beides hat dazu geführt, dass der Wasserstand des Flusses ein Rekordniveau erreicht hat und an manchen Stellen höher ist als bei der Jahrhundertflut im Jahr 1927. Hätten die US-Behörden nicht einige Dämme gesprengt und das Wasser über andere Wege abgeleitet, wäre New Orleans stärker überschwemmt worden als bei Katrina. Und auch die Überschwemmungen in Queensland in diesem Winter könnten – zumindest teilweise – auf den Klimawandel zurückzuführen sein: Die Rekordniederschläge im Dezember und Januar fielen mit enorm hohen Meerestemperaturen zusammen. Das Meer vor der Küste Australiens war noch nie so warm wie zu dieser Zeit. Die Meerestemperaturen werden durch den Klimawandel weiter steigen. Das führt zu größerer Verdunstung und einem größeren Potenzial für extreme Niederschläge.

Deutschland kennt solche Probleme nicht.

In Deutschland ist die Lage im Vergleich zu anderen Regionen der Welt relativ entspannt. Bei uns gibt es keine verheerenden tropischen Stürme, und bei den Winterstürmen, die hierzulande das größte Schadenspotenzial haben, kann man bislang noch keinen Anstieg beobachten. Anders ist es mit Starkniederschlägen, hier beobachten wir in den letzten dreißig Jahren Anstiege. Aber wir haben Hinweise darauf, dass die Winterstürme bei uns stärker werden und es im Sommer häufiger Starkregenfälle geben wird. Außerdem werden die Hitzewellen zunehmen. 2010 war nach Berechnungen von US-Instituten global gesehen das heißeste Jahr seit 1880 – und das obwohl die Sonnenaktivität in den letzten Jahren eher gering war. Die Sonnenaktivität wird in den nächsten Jahren aber zunehmen, und das wird die Situation verschärfen.

Das Interview führte Heike Jahberg

Peter Höppe ist Professor der Physik und der Umweltmedizin. Seit dem Jahr 2005 leitet er den Bereich Geo-Risk-Forschung/Umweltmanagement beim Versicherungskonzern Munich Re.

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