Wirtschaft : Hoch hinaus

Im Oderbruch gibt es keine Berge und nur selten Schnee. Aber eine Schanzenanlage mit Betrieb übers ganze Jahr. Nun soll alles noch größer und schöner werden. Die Region profitiert davon

Juliane Schäuble

Brandenburg ist ein flaches Land. Alpiner Wintersport findet woanders statt: in Bayern, im Schwarzwald oder in Thüringen. Das weiß doch jeder. Stimmt – und stimmt nicht. Denn in Märkisch-Oderland tut sich was. Seit drei Jahren kämpfen Dieter Bosse und Günther Lüdecke schon für ihren Traum: Skizirkus mit Sprungschanzen in Bad Freienwalde. Rund um die Kurstadt im Oderbruch soll das nördlichste Wintersportgebiet Deutschlands entstehen. Die ersten Schanzen stehen schon. Kunstschneematten gibt es, eine Beschneiungsanlage, und internationale Wettkämpfe werden das ganze Jahr über ausgetragen. Die Macher sind auf dem Sprung.

Anfangs wurden die „Skiverrückten“ vom WSV 1923 Bad Freienwalde belächelt. Inzwischen hat aber auch der Deutsche Skiverband (DSV) die Anstrengungen anerkannt – und fördert sie. Drei Schanzen hat der Verein schon in Eigenregie gebaut, ohne öffentliche Mittel: K10, K20 und K40. Übersetzt heißt das, man kann darauf bis zu zehn, zwanzig oder eben vierzig Meter weite Sprünge absolvieren. Größere Schanzen werden folgen, damit ein Leistungszentrum für den Nachwuchs entstehen kann. Vor den Toren Berlins und ein paar Kilometer vor der polnischen Grenze soll die Schanzenanlage zu einem touristischen Magneten werden.

Zum Eröffnungsspringen im Oktober 2003 mit Sportlern aus Deutschland, Polen und Tschechien kamen schon 5000 Schaulustige. Doch es sollen noch mehr werden: Gemeinsam mit dem Londoner Architekturbüro „m2r-architecture“ hat der WSV 1923 Bad Freienwalde die Vision einer Wintersportarena für bis zu 40 000 Zuschauer entwickelt. Mit Abfahrtshang, Snowboardhalfpipe, 2000 Meter Langlauf-Loipe und 50-Meter- Schanzenturm. Ob und wann das alles entsteht, ist allerdings noch ungeklärt, denn die Finanzierung steht noch nicht fest. Zur Zeit geht es in Bad Freienwalde deshalb noch beschaulich zu.

Gesprungen wird im idyllischen Papengrund. Auch ohne Schnee und Eiseskälte kommt Stefan Wiedmann mehrmals die Woche zur Schanze. Selbst bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad streift er sich einen bunten Anzug über, setzt Helm und Skibrille auf und schnallt die Skier an. Schneemangel ist für den 14-Jährigen kein Problem. Die grünen Bastmatten auf der Schanze aus Finnland werden einfach mit Wasser besprengt – und schon kann es losgehen. Stefan ist Pionier der ersten Stunde und eines der großen Talente. Seine Vorbilder Martin Schmitt und das polnische Skisprung-Ass Adam Malysz hat er schon kennengelernt. Stefan besuchte bereits ein Jahr lang das Sportinternat im thüringischen Oberhof. Bald wird Stefan Wiedmann aber wieder wegziehen: Er will noch höher hinaus.

Denn Bad Freienwalde ist im Moment eher noch Treffpunkt für Breitensportler ohne Olympia-Ambitionen. Bis zu 15 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 16 Jahren trainieren hier. Unter den märkischen Jung-Adlern sind auch drei Mädchen. Die erfolgreichste ist Elisa Gronau, die für das Training sogar 60 Kilometer-Bahnfahrt aus Berlin auf sich nimmt. Außerdem nutzen die polnischen Nachbarn aus Zielin die Mattenschanze: „Die Kooperation funktioniert prima, und es haben sich schon richtige Freundschaften entwickelt“, freut sich der WSV-Vorsitzende Dieter Bosse über die „gelebte EU-Osterweiterung“. Flachlandtiroler gibt es eben überall.

Training auf der Papengrundschanze ist immer Mittwoch und Freitag, 14.30 bis 16.00 Uhr und sonnabends von 10.00 bis 13.00 Uhr, Probetrainings sind möglich. Mitzubringen sind warme Sachen und ein alter Skianzug. Das übrige Material stellt der Verein. Für mutige Amateure wird ein Schnupperskispringen angeboten: nächster Termin 19. Februar 2005. Infos: 0172/8013398 oder www.wsv-1923.de.

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