Wirtschaft : Hoch hinaus

Der Staat will künftig beim Luftfahrt- und Waffenkonzern EADS eine noch größere Rolle spielen.

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Zurück ins Gleichgewicht. Die Bundesregierung fürchtet, der französische Staat könnte den Luft- und Raumfahrtkonzern in Zukunft EADS dominieren. Es geht hier um hochqualifizierte Jobs wie etwa bei Airbus und Rüstungsgüter – wie hier im Bild beim Eurofighter Typhoon. Foto: dpad
Zurück ins Gleichgewicht. Die Bundesregierung fürchtet, der französische Staat könnte den Luft- und Raumfahrtkonzern in Zukunft...Foto: dapd

Berlin - Um 5 Uhr 34 war alles perfekt. Mit 28 000 Stundenkilometern sauste die Rakete Ariane 5 am Freitagmorgen von Französisch-Guayana aus in den endlosen Orbit. Im Gepäck hatte sie tonnenweise Treibstoff, Wasser, Lebensmittel und Güter für die Raumstation ISS, die in 400 Kilometern Höhe durchs All schwebt.

In diesen Sphären wollen deutsche Politiker künftig eine wichtigere Rolle spielen. An dem Raketenstart ist der europäische Konzern EADS maßgeblich beteiligt, der Flugzeuge, Hubschrauber, Waffen und Weltraumtechnik herstellt. Deutschland stelle sich darauf ein, seinen Anteil an EADS nun auf bis zu zwölf Prozent zu erhöhen, hieß es in Berlin. Das Ziel ist es, die Machtbalance mit Frankreich zu wahren. EADS, in der Luftfahrt weltweit die Nummer zwei hinter Boeing, ist ein Konstrukt aus deutschen, französischen und spanischen Firmenteilen. 130 000 Menschen arbeiten an mehr als 70 Standorten für den Konzern, zu dem auch der Flugzeugbauer Airbus gehört.

Die deutsche und die französische Seite halten jeweils gut 22 Prozent, Staat und Wirtschaft sind gleichermaßen vertreten. Allerdings will Daimler seinen Anteil reduzieren. So soll der Bund 7,5 Prozent von dem Paket übernehmen, das der Autobauer hält. Außerdem sucht ein Konsortium privater Banken und Versicherungen den Weg aus dem komplexen Machtgebilde, es besitzt weitere 4,5 Prozent an EADS. Derzeit laufen Gespräche zwischen Bund und Banken. Über ein Aktienpaket von drei Prozent verfügen bereits Kommunen und die Staatsbank KfW. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zu dem Thema äußern. „Das ist Sache unserer Anteilseigner“, sagte ein Sprecher.

Beabsichtigt war bisher nur der Kauf von 7,5 Prozent der Aktien durch den Staat. Nun kommen offenbar die Banken-Anteile hinzu. Die Übernahme des zwölfprozentigen Pakets sei vorbereitet und könnte im Laufe des Jahres stattfinden, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe bereits Vorsorge getroffen, sagte sie mit Blick auf die KfW, über die das Geschäft abgewickelt werden soll. Das Risiko eines Kursverfalls werde mit 1,6 Milliarden Euro abgedeckt, hieß es in der Koalition.

Hintergrund des deutschen Engagements ist die Sorge, die Franzosen könnten künftig den Konzern dominieren. Ihr Anteil liegt ebenso hoch wie der deutsche – ein Verkauf durch Daimler könnte die Machtbalance stören. Die Bundesregierung fürchtet für diesen Fall den Verlust von Arbeitsplätzen und Forschungskapazitäten. Ihr Luft- und Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) hatte kürzlich per Brief sogar eine paritätische Besetzung von Manager-Posten gefordert.

Im Handel gewannen EADS-Papiere am Freitag wenige Cent hinzu. An der Börse würden zwölf Prozent der Anteile derzeit rund drei Milliarden Euro kosten. In der Koalition findet der Plan Zustimmung. „Mir wäre es am liebsten, wenn sowohl Deutschland als auch Frankreich ihre Anteile verkaufen würden“, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs dem Tagesspiegel. „Die Franzosen streben aber eher das Gegenteil an – wenn wir die Anteile nicht kaufen, tun die Franzosen es. Das kann uns nicht recht sein.“ Allerdings solle sich der Bund alsbald um einen Investor bemühen. „Ich will nicht, dass der Staat da längere Zeit drin bleibt.“ Die Politik hat jedoch bereits längere Zeit nach einem neuen Anteilseigner gesucht – fündig wurde sie aber offenbar nicht.

Eine stärkere Rolle des Staates wäre heikel: Bislang liegen die unternehmerische Führung und die Stimmrechte für das deutsche Paket bei Daimler. Womöglich bleibt das so – während die Risiken mehrheitlich auf den Staat übergehen.

EADS selbst lehnt einen stärkeren Staatseinfluss ab. Man dürfe sich nicht nach politischen Maßgaben aufstellen, sagte kürzlich der deutsche Airbus-Chef Tom Enders, der das Unternehmen ab Juni leiten wird. Man befürchtet offenbar, dass Kunden, etwa Waffenkäufer, zu anderen Anbietern wechseln könnten, weil sie den direkten Einfluss des Staates meiden wollen. Außerdem könnten sich Investoren zurückhalten, wenn Politik in der Unternehmensentwicklung Management-Entscheidungen aushebelt und so die Profitabilität sinkt. 2011 kam EADS auf einen Umsatz von gut 49 Milliarden Euro und erzielte damit einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden. mit rtr

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