Wirtschaft : Hochtief holt Katar ins Boot

Emirat soll Baukonzern vor Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS bewahren

Das Hoch nach dem Tief. Zuletzt hatte der Baukonzern im Abwehrkampf gegen ACS Niederlagen erlitten – nun wendet sich das Blatt womöglich. Foto: dpa
Das Hoch nach dem Tief. Zuletzt hatte der Baukonzern im Abwehrkampf gegen ACS Niederlagen erlitten – nun wendet sich das Blatt...Foto: dpa

Essen/Berlin - Im Kampf gegen eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS erhält der Baukonzern Hochtief einen neuen Großaktionär. Die Finanzholding des Emirats Katar werde künftig knapp 9,1 Prozent an dem deutschen Unternehmen halten, teilte Hochtief am Montag mit. Für ACS würde eine Übernahme damit erheblich teurer – dies könnte eine Wende in dem Konflikt der beiden Konzerne einleiten.

Um die Qatar Holding ins Boot zu holen, erhöht Hochtief das Grundkapital um rund zehn Prozent. ACS bleibt dabei außen vor – die Kapitalerhöhung wird umgesetzt, ohne dass sich die bisherigen Aktionäre daran beteiligen können. Hochtief würde durch den Verkauf neuer Aktien 400 Millionen Euro einnehmen. Der zuständige Ausschuss des Aufsichtsrats hat dem Vorhaben bereits zugestimmt, wie Hochtief erklärte. Die Aktie des Unternehmens schoss am Montag zeitweise um mehr als fünf Prozent in die Höhe.

Spekulationen über einen Einstieg des Emirats, das auch die Fußball-WM 2022 ausrichtet und dafür Milliarden in Stadien und Infrastruktur investieren will, gibt es seit Wochen. Hochtief plant eine strategische Zusammenarbeit mit Katar und schielt auf Aufträge für das Sportgroßereignis. ACS wollte sich zunächst nicht äußern. Der Vorstand des Essener Konzerns betrachtet das ACS-Übernahmeangebot als feindlich und sucht seit Wochen nach einem neuen Ankerinvestor, mit dessen Hilfe er eine Übernahme verhindern könnte. ACS hält knapp 30 Prozent an Hochtief und hat ein Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses läuft bis zum 29. Dezember. Die Spanier bieten acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Titel. Mit dem Einstieg Katars wird eine Übernahme deutlich erschwert.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte bereits im Oktober in Berlin auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kurz mit dem Wirtschaftsminister des Emirats gesprochen. Katar ist auch an Porsche und Volkswagen beteiligt – 17 Prozent der Stammaktien des Wolfsburger Autokonzerns liegen bei dem Emirat. Außerdem erwarb Katar das Londoner Kaufhaus Harrods.

Hochtief ist heute bereits stark in Katar engagiert und beschäftigt dort über Tochtergesellschaften mehr als 5000 Mitarbeiter. Eines der Projekte mit Hochtief-Beteiligung ist eine Brücke zur benachbarten Insel Bahrain – nach Angaben des Konzerns die längste Länderverbindung der Welt.

Der Hochtief-Vorstandsvorsitzende Lütkestratkötter hatte bereits im Oktober in Berlin auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz mit dem Wirtschaftsminister des Emirats gesprochen. Reuters hatte Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, Hochtief bemühe sich um Investoren etwa aus Dubai oder Katar.

Lütkestratkötter schloss nicht aus, dass es weitere Kapitalerhöhungen im Umfang von bis zu 20 Prozent geben könnte. Durch den Katar-Einstieg sinkt der Anteil von ACS an Hochtief von 30 auf 27 Prozent. Das in der vergangenen Woche von den Spaniern offiziell vorgelegte Übernahmeangebot schätzen Aktionärsschützer als unattraktiv ein. Tatsächlich hatte ACS bereits angekündigt, ihren Hochtief-Anteil zunächst lediglich auf knapp über 30 Prozent erhöhen zu wollen, um später mit Zukäufen über die Börse auf mehr als 50 Prozent aufzustocken.

„Es ist ein Signal der Hoffnung“, sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Mit dem Einstieg von Katar erhöhten sich die Chancen, unabhängig zu bleiben. „Es muss aber noch mehr aus Katar kommen“, betonte er. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht sich durch den Einstieg Katars bestätigt. „Wir haben goldrichtig damit gelegen, dass sich der Staat auch bei Hochtief zurückgehalten und nicht eingemischt hat“, sagte er. rtr/dpa

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