Wirtschaft : Hochtief läßt Holzmann-Pläne nicht fallen

Verhandlungen über Zusammenarbeit im Ausland laufen / Aktionäre kritisieren Dividende

ESSEN (dpa/rtr).Nach dem geplatzten Zusammengehen setzen die beiden größten deutschen Baukonzerne, die Philipp Holzmann AG, Frankfurt (Main), und die Essener Hochtief AG, nun auf eine verstärkte Zusammenarbeit vor allem im Auslandsgeschäft.Wie Hochtief-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Keitel auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen sagte, seien mit dem Frankfurter Branchenprimus konkrete Verhandlungen zu diesem Punkt aufgenommen worden.Man werde im Rahmen der "sehr engen Grenzen" des Kartellrechts nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit suchen, um der Konzentration der Bauwirtschaft in den Nachbarländern zu begegnen.Anfang Juli hatten Hochtief und die Deutsche Bank AG bei der Brüsseler Kartellbehörde ihren Antrag auf eine Stimmrechtsbündelung für die Aktien der Philipp Holzmann AG, mit denen sie die unternehmerische Führung bei Holzmann übernehmen wollten, zurückgezogen.
Vom Ausgang der Kooperationsgespräche will Hochtief außerdem abhängig machen, ob das laufende Kartell-Verfahren weiter verfolgt werden soll.Dabei geht es um die vom Bundeskartellamt untersagte Aufstoêkung des Hochtief-Anteils um zehn auf knapp 35 Prozent an Holzmann.Nachdem das mehrheitlich zum RWE-Konzern gehörende Bauunternehmen Hochtief das Inlandsgeschäft umgebaut hat, soll jetzt das Auslandsgeschäft "komplett neu strukturiert" werden.So sollen die weltweiten Aktivitäten unter dem Dach von Hochtief International gebündelt werden.Das Auslandsgeschäft werde immer wichtiger, sagte Keitel.Hier rechne der Konzern mit wachsenden Auftragseingängen, während im Inland bis Jahresende Stagnation erwartet werde.Zwischen Januar und Mai seien die Auftragseingänge um 2,8 Prozent auf 5,2 Mrd.DM gewachsen.Die Bauleistung stieg um 5,4 Prozent auf 4,7 Mrd.DM.Der Auftragsbestand liege mit 13,8 Mrd.DM per Ende Mai um 17,4 Prozent höher als im Vorjahr.Angesichts leerer öffentlicher Kassen forderte Keitel bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen.Hochtief hofft, bei der Privatisierung des Düsseldorfer Flughafens zum Zug zu kommen.
Aktionärskritik an der von 1,35 auf 1,20 DM gekürzten Dividende wiesen Keitel und der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Kuhnt zurück.Hochtief betreibe angesichts der Krise in der Baubranche bilanzielle Vorsorge und zahle die mit Abstand höchste Dividende in der Branche, sagte Kuhnt.

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