Wirtschaft : Hoechst-Aktionäre geben grünes Licht für Aventis

FRANKFURT (MAIN) (ro). Nur unter deutlichen Vorbehalten haben die Aktionäre von Hoechst der Fusion mit Rhône-Poulenc zur neuen Aventis zugestimmt. Hoechst-Vorstandschef Jürgen Dormann mußte sich auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt (Main) heftige Kritik an seiner Informationspolitik, an der geplanten Beschneidung der Aktionärsrechte und an dem für die Hoechst-Aktionäre angeblich zu hohen Lasten anhören."Jubeln ist nicht angebracht", meinte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Die Fusion sei eher ein "Defensivbündnis", bei nüchterner Betrachtung aber wohl für Hoechst der beste Weg. Ähnlich auch die Bemerkungen im Saal. Rund 3500 Aktionäre waren nach Frankfurt gekommen, knapp 63 Prozent des Grundkapitals waren vertreten. Bei dem Aktionärstreffen von Rhône-Poulenc zwei Tage zuvor waren es nur rund 28 Prozent. Dort war kaum Kritik geübt worden, das Aktionärstreffen war schon nach nicht einmal vier Stunden beendet. In Frankfurt dagegen waren viele Aktionäre skeptisch. "Zwei Mal Minus gibt nicht automatisch Plus", meinte ein Anteilseigner. Matthias Schröder von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf Dormann vor, die Kleinaktionäre nicht ernstzunehmen. Die Informationspolitik sei alles andere als professionell. Erst am Donnerstag wurden die Aktionäre über Details der Fusion unterrichtet. "Kleinaktionäre sind in der deutschen Wirtschaft eben immer die Dummen", ereiferte sich Schröder. Udo Behrenwaldt, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft DWS, die zwei Prozent der Hoechst-Aktien hält, bemängelte den unzureichenden Wertausgleich für die Hoechst-Aktionäre und die Beschneidung der Aktionärsrechte.Der Hoechst-Chef und künftige Vorstandsvorsitzende von Aventis ließ sich durch die Kritik nicht beeindrucken. Aventis soll im ersten Geschäftsjahr vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen einen Gewinn von mindestens vier Mrd. Euro einfahren. Dormann bestätigte den geplanten Stellenabbau, ohne Zahlen zu nennen. Überschneidungen und doppelte Besetzung von Positionen könnten nicht dauerhaft bestehen. "Aber die Begründung für Aventis liegt nicht im Kostensparen", betonte Dormann. Die Fusion erfolge, "weil wir gemeinsam nach einem langen Reifeprozeß zur Erkenntnis gelangt sind, daß wir damit bessere Zukunftschancen eröffnen". Die Arbeitsgebiete von Hoechst und Rhône-Poulenc ergänzten sich gut. Zusammengenommen hätten beide Unternehmen einen Börsenwert von rund 45 Mrd. Euro. Konkurrenten kämen auf den dreifachen Wert. "Dieses Wertpotential wollen wir für Aventis ausschöpfen".Dormann bekräftigte, daß es nicht darum gehe, die Geschichte von zwei Traditionsunternehmen zu beenden. "Wir beginnen vielmehr ein neues Kapitel, in dem wir nationale Grenzen überwinden und eine erweiterte europäische Dimension erreichen". Aventis wird seinen Angaben zufolge pro Jahr zunächst rund 18 Mrd. Euro umsetzen und weltweit 92 000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Pharmasparte - 12,9 Mrd. Euro Umsatz, 75 000 Mitarbeiter - werde weltweit zu den führenden Unternehmen gehören. Die Position in den USA, dem größten Pharmamarkt der Welt, müsse allerdings noch ausgebaut werden. Dort hat Aventis nur einen Marktanteil von 3,1 Prozent. Aventis Crop Science, das zweite Standbein des Konzerns, soll ebenfalls zu den führenden Unternehmen der Sparte gehören, 4,1 Mrd. Euro umsetzen und rund 17 000 Mitarbeiter beschäftigen.Die Aktionäre stimmten auch der Abspaltung der Hoechst-Industriegeschäfte in die Celanese AG rückwirkend zum 1. Januar 1999 zu. Allerdings wird es der neue Chemie-Konzern mit seinen etwa 17 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 5,2 Mrd. Euro nicht einfach haben. "Die Gründung der Celanese AG fällt in eine Phase des Konjunkturtiefs", meinte Vorstandschef Claudio Sonder auf der Hauptversammlung. Der Druck auf das Ergebnis werde anhalten.Klarer scheint indes die Zukunft der Hoechst-Beteiligung Messer-Griesheim. Der Gase-Spezialist wird sich voraussichtlich mit der Linde AG verbinden. Ohne direkt Namen zu nennen, berichtete der Vorstand, daß bei der EU-Kommission eine kartellrechtliche Anfrage eingereicht wurde. Vor wenigen Tagen hatten der Weltmarktführer, Air Liquide, und das US-Unternehmen Air Products angekündigt, die britische BOC übernehmen zu wollen.

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