Wirtschaft : Hoechst-Aktionäre machen endlich den Weg frei

FRANKFURT (MAIN) (rtr). Nach fast zweitägiger Dauer der Hauptversammlung haben die Aktionäre der Hoechst AG, Frankfurt (Main), der Fusion ihres Unternehmens mit der französischen Rhône-Poulenc zum Pharmariesen Aventis zugestimmt. Am Freitag nachmittag sprachen sich 99,73 Prozent der anwesenden Anteilseigner für die Fusion aus. Die Aktionäre des französischen Partners hatten sie bereits am Dienstag gebilligt.Die außerordentliche Hauptversammlung der Hoechst AG hat sich während der zweitägigen Dauer zu einer Geduldsprobe für Aktionäre und Vorstand entwickelt. Zuletzt hatten vier oppositionelle Kleinaktionäre versucht, ein Votum zu verhindern. Mit einem Fragenmarathon (Filibuster) hatten die vier Anteilseigener schon am Donnerstag nach 13 Stunden eine Vertagung der Aktionärsversammlung auf Freitag erzwungen. Zwar waren am Freitag nur noch wenige Anteilseigner in der Frankfurter Festhalle anwesend, die Präsenz von 64,84 Prozent des Grundkapitals war aber weiterhin hoch. Angesichts der Stimmenmehrheit der Großaktionäre hatte niemand mit einer Ablehnung des Zusammengehens beider Konzerne zum größten Life-Science-Konzern der Welt gerechnet. Wäre die Strategie der Oppositionellen allerdings aufgegangen, hätte Hoechst eine neue Hauptversammlung einberufen müssen.Die oppositionellen Aktionäre hatten schon am Donnerstag angekündigt, daß sie durch Ausnutzung des Rede- und Fragerechts versuchen würden, den Zeitrahmen der Hauptversammlung zu sprengen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Frühauf versuchte im Tagesverlauf, den Ablauf der Hauptversammlung zu straffen, indem er erklärte, daß der Hoechst-Vorstand die Fragen der drei Aktionäre Karl-Walter Freitag, Manfred Klein und Thomas Kloth für ausreichend beantwortete halte und sie weitere Fragen nun schriftlich zu Protokoll geben müßten. Bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe konnte die entscheidende Abstimmung jedoch immer noch nicht stattfinden.Freitag ist als ausgewiesener Kenner des deutschen Aktienrechts für seine Versuche bekannt, bei Hauptversammlungen, die über weitreichende Ziele wie Fusionen entscheiden sollen, die Vorstände mit Anfechtungsklagen zu blockieren und bessere Konditionen für die Minderheitsaktionäre herauszuschlagen.

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