• Hoechst-Aktionäre tauschen mehr als 90 Prozent ihrer Papiere - Noch steht die Hauptversammlung von Rhône-Poulenc aus

Wirtschaft : Hoechst-Aktionäre tauschen mehr als 90 Prozent ihrer Papiere - Noch steht die Hauptversammlung von Rhône-Poulenc aus

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Aus der Fusion der beiden Konzerne soll Mitte Dezember eines der weltweit größten Pharmaunternehmen - die Aventis S.A. - hervorgehen.shf

Die Aktionäre der Hoechst AG haben mehr als 96 Prozent der Anteile zum Tausch in Aktien von Rhône-Poulenc angeboten und damit ihre klare Zustimmung zur geplanten Fusion der beiden Pharmaunternehmen signalisiert. Aus dem Zusammenschluss soll Mitte Dezember eines der weltweit größten Pharmaunternehmen - die Aventis S.A. mit Sitz in Straßburg - hervorgehen.

Für ein erfolgreiches Umtauschangebot mussten mehr als 75 Prozent der Anleger ihre Hoechst-Aktien zum Tausch einreichen. "Wir haben das von uns angestrebte Ziel von 90 Prozent deutlich überschritten", stellte der Vorstandschef der Hoechst AG, Jürgen Dormann, fest. Die Tauschfrist werde deshalb nicht verlängert.

Auf dem relativ mühevollen Weg zur Fusion bildet der Aktientausch die vorletzte und zugleich eine der entscheidenden Stationen. Formal entstehen wird Aventis bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 15. Dezember, wenn die Aktionäre von Rhône-Poulenc über die Kapitalerhöhung zur Ausgabe junger Aktien für die zum Tausch eingereichten Hoechst-Aktien entscheiden. Dort werden sie auch die Umbenennung in Aventis beschließen. Die Zustimmung dazu gilt als sicher. Die erste Börsennotierung für die neuen Aventis-Aktien ist für den 20. Dezember geplant.

Hoechst-Aktionäre erhalten für je vier eingereichte Aktien drei Rhône-Poulenc beziehungsweise Aventis-Aktien. Aventis wird nach Vollzug der Transaktion über knapp 775 Millionen ausstehender Aktien verfügen, woraus sich auf Basis aktueller Kurse eine Marktkapitalisierung von rund 47 Milliarden Euro errechnet. Damit rangiert die Gruppe unter den Pharmawerten in etwa auf Rang 15, während sie gemessen am Umsatz zu den drei größten Anbietern weltweit zählen wird. Einschließlich der Agrosparte erreichte Aventis 1998 mit mehr als 90 000 Mitarbeitern einen Pro-Forma-Umsatz von 21 Milliarden Euro. Hoechst und Rhône-Poulenc werten die Umtausch-Quote von 96 Prozent als klaren Erfolg. Da mehr als 90 Prozent der Hoechst-Aktien angeboten wurden, kann die Fusion nach der sogenannten "Pooling-Methode" vollzogen werden. Aktiva und Passiva der Partner werden dabei addiert, so dass bei Aventis keine Goodwillabschreibungen als Folge der Fusion gebucht werden müssen.

Die Börse reagierte auf die Umtauschquote mit einem Kursrückgang von 1,6 Prozent auf 46,50 Euro bei Hoechst und einem nahezu konstanten Kurs von 60,30 Euro bei Rhône-Poulenc (RP). Nach Ablauf der Umtauschfrist wird Hoechst offenbar mit einem Abschlag gehandelt. Denn zu berücksichtigen ist, dass das Unternehmen noch im Vorfeld der Fusion eine Sonderdividende von 2,72 Euro je Aktie ausschütten will. Sie soll von einer Hauptversammlung am 9. Dezember beschlossen werden. Zieht man die Sonderdividende ab, erreicht die Hoechst-Aktie nur 73 Prozent des RP-Kurses.

Rechtzeitig vor der Fusion hat Hoechst wie geplant die Tierarzneimittel-Tochter Hoechst Roussel Vet für 655 Millionen Euro an die holländische Akzo-Gruppe veräußert. Der Verkauf war aus kartellrechtlichen Gründen erforderlich, da Rhône-Poulenc auf dem Gebiet über das Joint-Venture Merial (mit Merck & co) stark vertreten ist.

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