Wirtschaft : Hoechst baut weltweit

20 000 Stellen ab Chemieriese will trotz weltweiter Fusionswelle unabhängig bleiben FRANKFURT/ MAIN (dpa).Im Chemie- und Pharmakonzern Hoechst werden auf absehbare Zeit keine neuen Arbeitsplätze entstehen.Selbst ein höherer Umsatz werde nicht zu mehr Beschäftigung führen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Jürgen Dormann, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".Die Gleichung "mehr Wachstum gleich mehr Beschäftigung" stimme nicht mehr, meinte Dormann mit Blick auf die Pharma-Tochter Hoechst Marion Roussel AG.Das Unternehmen will in Frankfurt bis zu 600 Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung streichen."Unser Ziel ist es, den heutigen Beschäftigungsstand zu halten.Ob wir das schaffen, weiß ich nicht.Dazu müssen wir extrem erfolgreich sein." Zum Nachrichtenmagazin "Focus" meinte Dormann am Sonntag, die Zahl der Hoechst-Mitarbeiter soll von derzeit weltweit rund 120 000 auf weniger als 100 000 im Jahr 2000 sinken.Auch der Umsatz werde schrumpfen - von derzeit rund 50 Mrd.DM jährlich auf weniger als 40 Mrd.DM im Jahre 1999.Der Konzern werde aber auch nach der Pharma-Fusion in Großbritannien vorerst unabhängig bleiben."In fünf Jahren sind wir auf jeden Fall noch unabhängig.Ob wir das noch in zehn Jahren sind, hängt davon ab, wie schnell und wie oft es uns bis dahin gelingt, bahnbrechende Medikamente zu entwickeln", sagte Dormann.Dazu müsse allerdings der Pharmaumsatz von jetzt 13 Mrd.DM auf mindestens 25 Mrd.DM jährlich steigen. Der Konzern-Chef räumte im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein: "Vielleicht bin ich zu offen in der Artikulation, auch den Mitarbeitern gegenüber.Aber ich mache die Scheinheiligkeit, die überall wächst und blüht, nicht mit." Das Grundproblem in Deutschland sei, daß zehn Jahre lang nicht genug getan worden sei, um sich den neuen Herausforderungen anzupassen.Dem Land fehle es vor allem an Führung. Dormann rief außerdem zu Veränderungen in der Bildungspolitik auf.Chemie, Physik, Biologie und Informationstechnologie müßten stärker miteinander verbunden werden.Firmengründungen von Wissenschaftler-Teams müßten erleichtert und gefördert werden.Es gebe an einzelnen Universitäten gute Fortschritte.In Amerika und England habe man aber einen Vorsprung.

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