Wirtschaft : Höhenflug an Asiens Börsen vorerst beendet

olm/HB

Seit Mitte September sind die Kurse in Südkorea und Taiwan um die Hälfte hochgeschnellt, in Hongkong und Singapur um über ein Drittel. Korea, China und Thailand stehen sogar aufs Jahr gesehen klar im Plus. Traumhafte Zuwachsraten wie in den vergangenen Wochen dürften fürs Erste allerdings vorbei sein. "Aber die Party ist noch nicht zu Ende", sagt Markus Rösgen, Stratege bei ING Barings.

Mit Blick auf 2002 halten viele Fondsmanager und Analysten den Zeitpunkt für einen Einstieg in asiatische Aktien für günstig. Rösgen erwartet, dass der Ferne Osten Europa und Amerika im nächsten Jahr bei der Performance die Schau stehlen wird. Das hat zwei Gründe: Erstens bleibe die Region auch nach den jüngsten Kursgewinnen "weltweit klar der billigste Markt". Unternehmen mit ähnlichen Eigenkapitalrenditen wie in den USA kosten ihm zufolge im Durchschnitt nur ein Drittel so viel wie an der Wall Street. Zweitens seien zyklische Titel, die von dem erwarteten Anziehen der Weltwirtschaft besonders profitieren, in Asien stark vertreten.

Auch Mark Konyn, Asien-Direktor von Dresdner RCM, der Fondstochter der Dresdner Bank, erwartet von den Börsen in Fernost im kommenden Jahr mehr als von denen in Europa und den USA. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) asiatischer Aktien liege sehr viel niedriger als im Westen, das schütze sie stärker vor Rückschlägen, sagt Konyn. Gleichzeitig hält er es für denkbar, dass die Unternehmensgewinne in der Region 2002 "dramatisch besser ausfallen" als erwartet und folgert: "Jetzt ist eine gute Zeit zum Einstieg."

Enzio von Pfeil, Chef des unabhängigen Hongkonger Research-Hauses Commercial Economics, sieht in Asien ebenso Kurspotenzial - solange die Geldpolitik locker bleibt: "Der Weg wird zackiger als während der vergangenen Wochen", schränkt er ein, "aber der Trend nach oben bleibt intakt". Das gelte aber nur für den Norden des Kontinents, nicht für Südostasien. Diese Region stehe im Schatten Chinas und bekomme durch dessen WTO-Beitritt noch härtere Konkurrenz auf den Export-Märkten.

Die optimistischen Prognosen der Analysten stehen allerdings unter einem entscheidenden Vorbehalt: Einem deutlichen Konjunkturaufschwung in den Vereinigten Staaten. Ohne ihn kommen Asien Ausfuhren und Inlandsnachfrage nicht in Gang - und die Kurse nicht vom Fleck.

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