Höhenflug : Dax erreicht Jahreshoch

An den Börsen ist die Krise offenbar vorbei. Gute Nachrichten aus den USA beflügeln den deutschen Leitindex, der den höchsten Stand seit Herbst 2008 erreicht.

Am Mittwoch kletterte der deutsche Leitindex Dax um 2,1 Prozent auf 6434 Punkte und schloss damit so hoch wie seit Anfang September 2008 nicht mehr. Das war gut eine Woche vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, in deren Folge die Börsen weltweit zusammenbrachen. Der Dax war in der Krise zwischenzeitlich auf 3666 Punkte gefallen. Nachdem die Konjunktur sich wieder erholt hatte, stieg aber auch das deutsche Börsenbarometer wieder an. In den vergangenen Monaten pendelte es um die 6000er-Marke.

Ein Grund für das Rekordhoch am Mittwoch waren die guten Geschäftszahlen des Chipherstellers Intel. Der Konzern, der weltweit acht von zehn Computern mit seinen Chips ausrüstet, rechnet dank steigender Investitionen vieler Firmenkunden auch im vierten Quartal mit guten Geschäften. Damit zerstreute Intel Befürchtungen über ein bevorstehendes Ende des Aufschwungs in der Branche. Das half auch dem Kurs des deutschen Chipherstellers Infineon. Die Aktie legte im Dax um 2,6 Prozent zu.

Positiv nahmen die Anleger auch die Nachricht auf, dass die US-Notenbank (Fed) mit ihrer Geldpolitik weiter die Nachfrage ankurbeln will. Nach dem Protokoll der September-Sitzung, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, ist die Fed bereit, weiter billiges Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Das würde nicht nur den Unternehmen in den USA helfen, sondern der Wirtschaft weltweit. Amerika gilt traditionell als Konjunkturlokomotive.

Ob der Dax seinen Aufwärtskurs fortsetzt, darüber sind sich die Experten wie immer uneinig. Der Blick richtet sich vor allem auf die Konjunkturentwicklung in den USA. Die Wirtschaft ist dort seit der Krise nicht wieder richtig in Gang gekommen. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat nach wie vor mit hohen Arbeitslosenzahlen zu kämpfen. „Die Federal Reserve signalisiert derzeit: Es läuft schlechter als gedacht“, sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Trotz der Euphorie der Märkte über einen neuen Geldsegen durch die Notenbank sei nicht ausgemacht, dass die Stimmung anhalte. Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank, warnt: „Wenn die Wachstumsdelle in den USA größer ausfällt als gedacht, schafft es der Dax nicht, dagegen anzugehen.“ Auf der anderen Seite gibt Allianz-Experte Naumer zu bedenken: „Die USA sind nicht mehr der Motor der Weltkonjunktur, sondern vielleicht nur noch ein Zylinder davon.“ Für die exportabhängige deutsche Wirtschaft würden die Schwellenländer immer wichtiger. „Der EU-Raum exportiert inzwischen mehr nach Brasilien, Russland, Indien und China als in die USA“, sagt Naumer. Das Wachstum in den Schwellenländern werde sich auch 2011 fortsetzen.

Helaba-Marktstratege Markus Reinwand hält dagegen. Die Frage sei, ob eine schwache US-Wirtschaft durch das Wachstum in den Schwellenländern ausgeglichen werden könne. „Dass man sich von den USA ganz abkoppeln kann, wage ich zu bezweifeln“, sagte Reinwand. Auch die Schwellenländer könnten ins Stottern geraten, wenn es den USA schlecht gehe. Andreas Hürkamp von der Commerzbank glaubt an den Dax: „Der Dax hat bisher nicht darauf reagiert, dass sich viele Daten wie Unternehmensgewinne oder Auftragseingänge verbessert haben.“ Wenn die Märkte ihren Pessimismus abgelegt hätten, könne es für den Dax noch weiter bergauf gehen. (mirs/rtr)

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