Wirtschaft : Höhere Steuern bremsen das Handwerk Branchenverband rechnet mit Wachstumsdelle

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Berlin - Dem Handwerk macht die Erhöhung der Mehrwertsteuer seit Jahresbeginn zu schaffen. „Die Auftragseingänge gehen seit Jahresbeginn spürbar zurück“, sagte Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), am Montag in Berlin. Der Staat müsse der Branche helfen, verlangte er, etwa mit einem höheren Steuerbonus für Handwerksleistungen und der Abschaffung der Ein-Euro-Jobs.

Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe gebe es Anzeichen für eine Verlangsamung der Konjunktur, sagte Kentzler. Derzeit arbeiteten die Betriebe noch den hohen Auftragsbestand aus 2006 ab. Für die kommenden Monate zeichne sich aber eine „Konjunkturdelle“ ab. Einen deutlichen Einbruch werde es aber nicht geben. Der Umsatz der aktuell gut 900 000 Handwerksfirmen werde um etwa 1,5 Prozent wachsen und die Beschäftigung in etwa stabil bleiben.

2006 ist das Handwerk dem ZDH-Präsidenten zufolge so stark gewachsen wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Dazu beigetragen hätten die vorgezogenen Aufträge vor der Steuererhöhung und das 25 Milliarden Euro umfassende Wachstumsprogramm der Regierung, das etwa zinsgünstige Kredite für Gebäudesanierungen vorsah. Hinzu gekommen sei, dass Privatleute seit 2006 Arbeitsleistungen bis zu einem Volumen von 3000 Euro steuerlich geltend machen können. Damit können sie maximal 600 Euro von der Steuerschuld abziehen. Dies habe viele Aufträge aus der Schwarzarbeit herausgeholt, sagte Kentzler. Zum Ausgleich für die erhöhten Steuern solle der Staat den Abzugsbetrag nun auf 1000 Euro erhöhen. Dies „würde die Wachstumsimpulse des vergangenen Jahres verlängern“.

Bei der Unternehmensteuerreform müssten laut Kentzler darüber hinaus kleine Firmen stärker entlastet werden, als es bislang im Referentenentwurf der Regierung vorgesehen sei. Kritik übte er auch an der Arbeitsmarktpolitik der Regierung. Die so genannten Ein-Euro-Jobs für Empfänger von Arbeitslosengeld II hätten sich als „Job-Killer“ für reguläre Beschäftigungen erwiesen. Dieses Instrument müsse abgeschafft werden. brö

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