Wirtschaft : Höhnischer Beifall

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Glücklich lächelnd nahm Markus Merk nach seinem WM-Debüt die Glückwünsche der Kollegen entgegen, doch die russischen Spieler klatschten nach dem Schlusspfiff nur höhnisch Beifall. „Das war der schlechteste Schiedsrichter der Weltmeisterschaft“, schimpfte Waleri Karpin nach der 0:1-Niederlage gegen Gastgeber Japan in Yokohama. Der Zorn der Russen entzündete sich vor allem an jener Szene in der 40. Minute, als Kazuyuki Toda im Strafraum Igor Semschow in höchster Not attackierte.

„Das war ein klarer Elfmeter“, wetterte Karpin und machte Merk, dessen Pfeife stumm blieb, mitverantwortlich für die verpasste vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation. So weit wollte Teamkollege Alexej Smertin nicht gehen: „Wir dürfen nicht die ganze Schuld bei Merk abladen.“ Doch selbst Toda räumte ein, dass er nicht ganz astrein zu Werke gegangen sei: „Man kann einen Elfmeter geben, muss aber nicht.“ Ungeachtet der Diskussion sprach Merk von einem „Meilenstein“ in seiner Karriere. „Es war ein Höhepunkt, vor fast 70 000 Fans dieses Spiel zu pfeifen. Das Erlebnis wird mir immer in Erinnerung bleiben“, schwärmte Merk von der „wundervollen Atmosphäre“ im voll besetzten Stadion. Für seine Leistung habe er von allen Seiten Lob erhalten, meinte der 40 Jahre alte Zahnarzt aus Kaiserslautern in Chiba, wo alle in Japan eingesetzten Schiedsrichter untergebracht sind und die Spiele per Video ausführlich analysiert werden.

„Wir haben uns die fragliche Szene mehrfach angeschaut. Danach erübrigt sich jeglicher Kommentar“, sagte Merk, der keinen Anlass für Selbstkritik sah und guter Hoffnung ist, ein weiteres Spiel leiten zu dürfen. Er sieht seinen WM-Einsatz ohnehin im größeren Kontext. „Ich repräsentiere hier eine ganze Gruppe. In Deutschland haben 80 000 Schiedsrichter mitgezittert. Wenn das dann in die Hose gegangen wäre…“ Unterstützung und Zuspruch erhielt Merk von Volker Roth, Mitglied der Schiedsrichter-Kommission des Fußball-Weltverbands (Fifa). Roth wies die russische Kritik am DFB-Referee als „Unsinn“ zurück. „Damit wollen die Russen von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken. Stattdessen sollten sie lieber Tore schießen“, sagte der DFB-Schiedsrichterobmann, der die Partie am Fernseher verfolgt hatte und Merk eine „ausgezeichnete und souveräne Leistung“ bescheinigte. Er habe ihm direkt nach der Partie telefonisch gratuliert. „Es war ein tolles Spiel, und er hat sich dem Niveau angepasst“, lobte Roth. dpa

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