Wirtschaft : Hoffen auf den Bayern-Bonus

Durch den deutschen Champions-League-Sieg erwarten die Erstliga-Klubs einen wirtschaftlichen Schub.

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Wertvolle Schale. Am Freitag startet die Bundesliga-Saison. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sprach am Mittwoch in Berlin auf dem Verbandstag der Liga. Foto: dpa
Wertvolle Schale. Am Freitag startet die Bundesliga-Saison. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sprach am Mittwoch in Berlin auf dem...Foto: dpa

Berlin - Bayern München gegen Borussia Dortmund – das Champions-League- Finale macht den Bundesliga-Klubs Hoffnung auf wirtschaftlich bessere Zeiten. Knapp 90 Prozent der Vereinsmanager gehen davon aus, dass die kommende Saison finanziell besser läuft als die vergangene. Entsprechend größer ist die Bereitschaft, mehr Geld für Spielergehälter und die Förderung junger Talente auszugeben. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young hervor. Zum ersten Mal seit zehn Jahren – so lange wird die Studie durchgeführt – bewerteten alle befragten Klubs von der 1. bis zur 3. Liga die wirtschaftliche Lage als gut oder eher gut.

Die internationalen Erfolge der Bundesliga-Spitzenklubs könnten eine wichtige Basis für einen größeren wirtschaftlichen Erfolg sein, meinte Christine Unterhitzenberger, eine Autorin der Studie. Durch das deutsche Finale im Wembley- Stadion Ende Mai habe „die Marke Bundesliga weltweit an Bekanntheit und Attraktivität gewonnen“. Der Optimismus der Erstliga-Manager für die neue Saison, die am Freitag mit dem Spiel von Meister Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach beginnt, gründet zu einem Großteil aber auch auf den steigenden Fernseherlösen. In der vergangenen Saison lagen die TV-Einnahmen der Bundesliga und der Zweiten Liga bei 438 Millionen Euro. In der beginnenden Spielzeit werden es dank eines neuen Fernsehvertrags 560 Millionen Euro sein.

In den kommenden vier Jahren sollen sich die Einnahmen um fast die Hälfte auf durchschnittlich 628 Millionen Euro erhöhen. Auch bei der Auslandsvermarktung müsste es möglich sein, „mindestens die Einnahmen der italienischen oder der spanischen Top-Liga zu erzielen“, sagte Unterhitzenberger. Diese liegen schätzungsweise bei 120 beziehungsweise 150 Millionen Euro jährlich, die der Bundesliga bei 72 Millionen Euro.

Die Hoffnung der Vereine rührt aber offenbar auch daher, dass die vergangene Saison nicht für alle wirtschaftlich erfreulich verlief. Zwar erzielten 62 Prozent der Erstligaklubs einen Gewinn – und damit ebenso viele wie in der Spielzeit 2011/12. Doch die Gewinne sanken: Der Anteil der Vereine mit hohem Ertrag ging von gut der Hälfte auf knapp ein Drittel zurück. Beinahe jeder fünfte Teilnehmer im deutschen Fußball-Oberhaus schrieb rote Zahlen.

Die Gründe für das schwächere Ergebnis liegen nach Auffassung der Unternehmensberater in zusätzlichen Ausgaben für neue Spieler und Stadien und höheren Gehältern. Auch seien etwas weniger Zuschauer in die Stadien gekommen. Für die Spielzeit 2013/14 erwarten die Erstliga-Vereine durchschnittlich acht Prozent höhere Einnahmen, Zweitliga-Vereine rechnen mit einem Plus von 21 Prozent. Gleichzeitig kalkulieren sie mit Mehrausgaben etwa in gleicher Höhe.

Ohnehin gibt es eine Kluft zwischen den Vereinen der höchsten deutschen Spielklasse und denen in den beiden darunter. Ein Drittel der Klubs aus der Zweiten Liga schloss die Vorsaison mit Verlust ab. Mit dem MSV Duisburg musste gar ein Traditionsklub die Liga verlassen – wegen der finanziellen Schieflage gab es keine Lizenz. Als Armenhaus des deutschen Profifußballs gilt seit jeher die Dritte Liga. Nicht einmal jeder zehnte Verein machte dort in der vergangenen Spielzeit ein Plus. Bei den Fernseheinnahmen, die über einen speziellen Schlüssel an die Klubs der beiden höheren Spielklassen ausgeschüttet werden, gehen die Mannschaften in der Dritten Liga leer aus: Sie werden nicht von der Deutschen Fußball-Liga, sondern vom Deutschen Fußball-Bund vermarktet.

Für die Studie fragte die Ernst & Young bei den 56 Klubs der drei Profiligen nach. 46 Vereine schickten die Fragebögen beantwortet zurück.

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