Wirtschaft : Hoffen auf den Momper-Effekt

DANIEL WETZEL

Siemens und Berlin: Es war immer ein spannungsreiches Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Stadt.Die Gründungsstadt des Weltkonzerns reklamiert traditionell ein Recht auf Vorzugsbehandlung, die bislang kein Vorstandschef zu mißachten wagte: Auch Heinrich von Pierer hat sein "Bekenntnis zum Standort" abgelegt.Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache: Seit Beginn der neunziger Jahre hat Siemens Jahr für Jahr 1000 Arbeitsplätze in der Hauptstadt abgebaut.Und heute kann sich das Unternehmen Rücksichtnahmen noch weniger leisten.Geht der Aderlaß weiter?

Die Aussichten sind nicht rosig: Einige Siemens-Werke in Berlin verkaufen 80 Prozent ihrer Produktion in die Krisenregionen der Welt.Die globalen Turbulenzen könnten hier weitere Opfer fordern.Doch zu übertriebenen Pessimismus besteht ebenfalls kein Anlaß.Heinrich von Pierer hat mit seinem Zehn-Punkte-Programm das Ruder rechtzeitig herumgeworfen.Mitarbeiter berichten, daß ein neuer Wind durchs Haus zieht.Ineffiziente Abteilungen werden umstrukturiert oder aufgelöst.Auch dieBerliner Werke melden jetzt Produktivitätssteigerungen von 80 Prozent.Ob allerdings auch Berlin vom Wiedererstarken des Siemens-Konzerns profitieren kann, hängt nicht zuletzt vom Verhältnis zur Senatsverwaltung ab.Das hatte nach der Vergabe eines Straßenbahn-Auftrags an Adtranz im vergangenen Jahr kräftig gelitten.Doch die Betriebsräte hoffen nun auf den Momper-Effekt: Der neue SPD-Bürgermeister-Kandidat hat als Sprecher des wirtschaftspolitischen Arbeitskreises seiner Partei in den vergangenen Jahren engste Kontakte zum Konzern und seinem Chef von Pierer unterhalten.Zwischen den beiden, heißt es, "stimmt die Chemie".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben