Wirtschaft : Hoffen und warten

Flugzeugbauer rechnet mit 20 neuen A380-Bestellungen. Konzern-Chef warnt vor Streit wegen Sanierung

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Toulouse/Berlin - Airbus rechnet in diesem Jahr noch mit mindestens 20 Neubestellungen für den Mega-Jumbo A380 durch zwei Airlines. Das sagte der Airbus- Verkaufschef John Leahy am Mittwoch in Toulouse. Bisher hat die EADS-Tochter 166 Maschinen des in die Krise geratenen Großraumjets an 15 Kunden verkauft.

Allerdings wird Airbus und damit EADS an dem größten Passagierflugzeug der Welt erst verdienen, wenn mindestens 420 Stück verkauft sind – bei einem Eurokurs von 1,12 Dollar. Das hatte Aufsichtsrat Manfred Bischoff Ende Januar in einem Interview mit dem „Manager-Magazin“ gesagt. Derzeit steht der Euro bei rund 1,3 Dollar. Die Wechselkursunsicherheiten stellen ein erhebliches Risiko für den Konzern dar, da er in Euro produziert, aber in Dollar verkauft. Seit 2000 habe der Dollar um 40 Prozent an Wert verloren, sagte Airbus-Sprecher Tore Prang. Das sei das Hauptproblem für Airbus.

Von der Krise war jedoch keine Rede, als Airbus am Mittwoch erstmals Journalisten zum A380-Flug bat. Nachdem im Oktober wegen Fertigungsproblemen die Notbremse gezogen und die bereits verzögerte Auslieferung noch einmal verschoben werden musste, wurde jetzt Optimismus demonstriert. Singapore Airlines werde den ersten Superjet im Oktober erhalten, 2008 würden dann 13, im Folgejahr 25 Maschinen ausgeliefert.

Die Korrekturmaßnahmen greifen, sagte Programmchef Mario Heinen. Die Prozesse im Hamburger Werk wurden vereinfacht, die Installation der Kabelbäume auf zwei parallele Schritte komprimiert. Jedem Flugzeug ist in der Endmontage nun ein eigenes Team zugeordnet. Bis 2025 sieht man bei Airbus einen weltweiten Bedarf für 1665 Jets der größten Klasse. Ein Markt, den man sich allerdings mit der 747-8 des amerikanischen Konkurrenten Boeing teilen muss.

Unterdessen stellte Airbus-Chef Louis Gallois die gegenwärtige Werksstruktur des Flugzeugbauers in Frage. „Wir können es uns auf Dauer nicht mehr leisten, überall aus eigener Kraft soviel zu investieren, wie notwendig ist, um jeden Standort zu sichern“, sagte Gallois der Zeitung „Die Welt“. Daher müsse darüber diskutiert werden, ob es für manche Standorte nicht sinnvoller sei, sie mit Partnern zu betreiben. „Wir müssen uns mehr auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“ Auch in der Verwaltung und den Zentralen müsse Airbus schlanker und effizienter werden.

Gallois kritisierte die Diskussion über die unterschiedliche Produktivität der Standorte in Deutschland und Frankreich. Diese Propaganda sei Gift für Airbus. Deutsche und französische Standorte unterschieden sich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit in keiner Weise. Die Airbus-Führung will am 20. Februar Details ihres milliardenschweren Sparplans „Power 8“ bekannt geben.

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