Wirtschaft : Hoffnung auf Jahresendrallye schwindet

Schwache US-Arbeitsmarktdaten drücken den Dax / Euro eilt von Rekord zu Rekord

Anselm Waldermann

Berlin - Eine Jahresendrallye an den deutschen Aktienmärkten wird immer unwahrscheinlicher. „Wir erwarten bis Ende des Jahres nur noch eine Seitwärtsbewegung“, sagte Frank Bulthaupt von der Dresdner Bank dem Tagesspiegel. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel am Freitagnachmittag um 40 Punkte, nachdem bekannt wurde, dass in den USA im November deutlich weniger neue Arbeitsplätze entstanden sind als Analysten erwartet hatten. Bis Börsenschluss erholte sich der Dax nur leicht und notierte bei 4208,87 Punkten.

Dabei herrschte an den Börsen zunächst noch gute Stimmung. Wegen fallender Ölpreise und einem leicht gesunkenen Eurokurs konnte der Dax am Freitagvormittag mit 4234 Punkten ein neues Jahreshoch erklimmen. Zudem hatte der amerikanische Computerhersteller Intel seine Umsatzprognose für das laufende Quartal wegen der starken Nachfrage nach seinen Produkten angehoben. Der Kurs des deutschen Chipherstellers Infineon ist daraufhin kurzzeitig um 2,5 Prozent auf 8,64 Euro gestiegen.

Doch nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten änderte sich das Bild. Nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington ist die Zahl der Stellen außerhalb der Landwirtschaft im November nur um 112000 gestiegen. Experten hatten mit einem Plus von 180000 bis 200000 gerechnet. Zudem korrigierte das Ministerium den Beschäftigungszuwachs für Oktober von ursprünglich 337000 auf 303000.

Nach Bekanntgabe der Zahlen gab der Dollar gegenüber dem Euro um einen halben Cent nach. Auch am Abend verteuerte sich die europäische Gemeinschaftswährung weiter und sprang erstmals seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten vor knapp sechs Jahren über 1,34 Dollar. In der Spitze kostete der Euro 1,3457 Dollar. An den Rentenmärkten stiegen die Kurse, weil die US-Daten Skepsis über die Stärke des Aufschwungs schürten.

Darüber hinaus hat sich auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone verlangsamt. So ist der Reuters-Einkaufsmanagerindex für die Industrie überraschend eingebrochen. Im November sank der Index von 52,4 auf 50,4 Punkte. Der Reuters-Composite-Index, der neben der Entwicklung in der Industrie auch den Dienstleistungssektor betrachtet, fiel von 53,7 auf 51,7 Punkte.

Die Chancen auf eine Jahresendrallye an den deutschen Börsen sind damit gesunken. „Dafür müsste der Dax massiv unterbewertet sein“, erklärte Bulthaupt. „Das ist er aber nicht.“ Bei einer theoretischen Unterbewertung von 30 bis 40 Prozent könnte es zum Jahresende zwar noch Kurssteigerungen geben. Bulthaupt sieht die Unterbewertung des Dax tatsächlich aber nur bei rund zehn Prozent.

Auch der Analyst Sven Kürten vom Bankhaus Metzler dämpft die Erwartungen der Anleger. Dass die guten Intel- Zahlen den Kurs des deutschen Chip- Herstellers Infineon nach oben getrieben haben, hält Kürten nur für ein kurzfristiges Phänomen. „Das wird sich bald wieder relativieren“, sagte er. Auf andere Dax-Werte habe das Plus bei Infineon ohnehin keinen Einfluss. „Infineon hat keinerlei Leaderfunktion“, sagte Kürten.

Etwas optimistischer ist Roland Ziegler von der ING BHF-Bank. Er sieht den Dax bis Jahresende noch auf 4300 Punkte steigen. Allerdings: Der teure Euro mache es den Aktienmärkten derzeit schwer. „Bei einem freundlicheren Euro hätten wir die Marke von 4300 Punkten schon heute erreicht“, sagte Ziegler. Er warnte auch vor einer Zuspitzung der politischen Situation in der Ukraine. „Das würde auf die Psyche der Anleger einen Schatten werfen.“ Darüber hinaus sei die Gefahr eines erneut steigenden Ölpreises nicht gebannt.

Die Beratungsgesellschaft Helaba Trust hingegen macht die weitere Entwicklung des Dax vom Schlusskurs am Freitagabend abhängig. In einer Markteinschätzung heißt es: „Schließen wir die Woche mit über 4220 Punkten ab, dürften sich die Hoffnungen auf die Jahresendrallye doch noch erfüllen.“ Dieses Ziel hat der Dax jedoch knapp verfehlt.

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