Wirtschaft : Hoffnung für geprellte Aktionäre

Europäische Anleger können sich an Sammelklagen in den USA beteiligen/Telekom-Verfahren beginnt im Herbst

-

Düsseldorf (hus/HB). Anleger, die sich nach den jüngsten Pleiten und Pannen großer Konzerne geprellt fühlen, haben in den kommenden Monaten mehrfach eine Chance, einen Teil ihrer Investments wieder einzufordern. Eine Reihe von USKlagen nach dem Zusammenbruch des Lebensmittelkonzerns Parmalat dürfte auch europäischen Anlegern rechtliche Ansprüche auf Schadensersatz eröffnen.

Gleichzeitig müssen vom Kursverfall der Deutschen Telekom geschädigte Investoren in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie Klage einreichen, nachdem ein Schiedsverfahren zwischen Anleger-Schützern und Vertretern des Konzerns gescheitert ist. Im bereits zu Gunsten der Anleger entschiedenen Fall des US-Telekom-Ausrüsters Lucent können Anleger ihre Ansprüche noch bis zum 31. März anmelden.

„Zu tun gibt es derzeit genug“, sagt der auf Sammelklagen spezialisierte Anwalt der Münchner Kanzlei Rotter, Bernd Jochem. In Zusammenarbeit mit einer New Yorker Partner-Kanzlei bereitet sein Haus eine weitere Klage gegen Parmalat vor, nachdem die New Yorker Kanzlei Milberg Weiss bereits die erste Sammelklage im Auftrag des Pensionsfonds Southern Alaska Carpenters eingereicht hat. Europäischen Anlegern eröffne sich im Fall Parmalat eine doppelte Chance, einen Teil ihres verlorenen Geldes wiederzubekommen, meint Rechtsexperte Marc Tüngler von der Anleger-Schutzgemeinschaft DSW. Zum einen können sie sich an bestehende Sammelklagen anhängen. Zum Zweiten könnten sie auch von einer Klage der Wertpapieraufsicht SEC gegen Parmalat profitieren.

Parmalat habe unter Vortäuschung falscher Tatsachen Bonds aufgelegt, argumentiert die Aufsicht. Nach der neuen Rechtslage des so genannten Sarbanes Oxley Akts kann die SEC eingestrichene Strafzahlungen einem Fonds für geschädigte Anleger gutschreiben. Zunächst klagte die SEC auf eine Betrugssumme von 100 Millionen Euro, diese Summe dürfte aber auf 1,5 Milliarden Euro ausgeweitet werden, berichtet Bloomberg.

Die von Milberg Weiss eingereichte Sammelklage gegen Parmalat bezieht sich auf Aktien, die zwischen dem 5. Januar 1999 und dem 29. Dezember 2003 gekauft worden sind (Class Period). Die Höhe der eingeforderten Schadenersatzsumme steht noch nicht fest. Noch ist nicht vollends klar, ob sich auch Europäer an die US-Klage anschließen können. Doch Anwalt Jochem sieht dafür gute Chancen: „Die Sache wird vor dem Southern District Gericht in New York verhandelt, das als sehr anlegerfreundlich gilt.“ Genaueres werde in etwa zwei bis drei Monaten bekannt.

Geduld brauchen Anleger auch im Fall Deutsche Telekom. Einen Gütetermin mit den Anlegerschützern ließ der Konzern Anfang der Woche ohne zu erscheinen verstreichen. „Von der Telekom war nichts anderes zu erwarten“, meint Rechtsanwältin Diane Hilty von der Wiesbadener Kanzlei Doerr, Kühn, Plück, „hätte sie sich auf einen Kompromiss geeinigt, wäre das ja schon ein halbes Schuld-Zugeständnis vor Eröffnung der Verfahren gewesen“. Jetzt haben die beteiligten Anleger noch sechs Monate Zeit, um Klage einzureichen.

Investoren werfen der Telekom vor allem vor, ihren Immobilienbestand zum Börsengang viel zu hoch bewertet zu haben. Wer allerdings bisher noch gar nichts unternommen hat, kommt zu spät: Die Frist, erste rechtliche Schritte gegen die Telekom einzuleiten, ist am 26. Mai 2003 ausgelaufen. Gegen die Telekom sind etwa 10000 Klagen und 15000 Schlichtungsanträge anhängig. Anders als in den USA muss dabei jeder Fall einzeln begründet werden. Die ersten Gerichtsverfahren dürften erst im Herbst eröffnet werden, schätzt Hilty.

Schneller als bei Parmalat und der Deutschen Telekom kommen Anleger im Fall Lucent zu Geld. Der Konzern erstattet 563 Millionen Dollar, weil er Ende 1999 weit bessere Ergebnisse versprach, als er im Januar 2000 vorlegte. Wer in dieser Zeit Lucent-Aktien besaß, kann sich aus dem Topf bedienen. Die DSW hat dazu ein Antragsformular in Deutsch verfasst. Auch Aktionäre von Carnival und Sprint können derzeit Ansprüche einreichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar