Wirtschaft : Hoffnung für Waschmaschinen-Werk

Bosch-Siemens-Hausgeräte will Betrieb in Spandau nun doch nicht schließen – das wäre zu teuer

Carsten Brönstrup

Berlin - Für das Waschmaschinen-Werk des Unternehmens Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) in Berlin-Spandau mit rund 1100 Beschäftigten gibt es neue Hoffnung. Statt der beabsichtigten Schließung der Produktion werde nun mit den Arbeitnehmern weiter verhandelt, erklärte die BSH-Geschäftsführung am Dienstagabend in München. Womöglich könnten die gut 600 Arbeitsplätze gerettet werden, die bislang zur Disposition standen, hieß es bei Belegschaft und IG Metall. Einen endgültigen Beschluss gibt es aber noch nicht. Grund für den Meinungswechsel des Managements ist die Weigerung des Betriebsrates, den Bedingungen für den Personalabbau zuzustimmen. Eine Weiterführung des Werkes kommt nun offenbar billiger als ein Sozialplan und Abfindungen.

BSH hatte im Mai angekündigt, die Waschmaschinenproduktion in Deutschland im brandenburgischen Nauen konzentrieren zu wollen. Dem Konzern macht der Preisverfall für teure Geräte in Deutschland zu schaffen. Die Produktion in Spandau sollte Ende 2006 auslaufen, nur noch für die gut 400 Beschäftigten in den Bereichen Entwicklung und Service hätte es dann Arbeit gegeben. In Nauen hat BSH bereits mit den Vorbereitungen für den Bau einer neuen Waschmaschinen-Reihe begonnen und will dort rund 90 Millionen Euro investieren. Dennoch hatten Belegschaft und Werksleitung im so genannten Wirtschaftsausschuss von BSH über eine Rettung des Betriebs oder eines Teils der Arbeitsplätze in Spandau verhandelt. Im Gespräch waren der Vorruhestand für einen Teil der älteren Mitarbeiter sowie eine Ausgründung der Fertigung in eine eigene Firma.

Die Geschäftsführung erklärte nun, „es soll geprüft werden, ob und unter welchen Voraussetzungen die Produktion von Waschmaschinen am Standort Berlin-Gartenfeld trotz der damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen für das Unternehmen über den 31. Dezember 2006 hinaus fortgeführt werden könnte“. Auf Grund der „unzumutbar hohen Forderungen des Betriebsrates“ habe man sich nicht auf einen Sozialplan einigen können. Die geforderten Zahlungen hätten „Gesamtkosten in einer Größenordnung verursacht, die den Produktionsbereich Wäschepflege in Deutschland insgesamt gefährdet hätten“. Daher werde nun weiter verhandelt. Die Schließung des Werks hätte das Unternehmen also mehr gekostet als der Weiterbetrieb. Güngör Demirci, Vorsitzender des Betriebsrats in Spandau, nannte den Entschluss, weiter zu verhandeln, einen „großen Erfolg“. Nun sei es wahrscheinlich, dass man die Arbeitsplätze in dem Werk erhalten könne. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) sprach von „einer guten Nachricht für den Industriestandort Berlin“.

In den Verhandlungen ab kommender Woche wollen beide Seiten nun Kostensenkungen erreichen. Bislang hatte BSH die Angebote der Arbeitnehmer zur Mehrarbeit ausgeschlagen und erklärt, dies wiege die Kostennachteile des Standortes nicht auf. Nun sagte eine Sprecherin des Unternehmens, die Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden sei „eine Option“. Betriebsratschef Demirci erklärte, ein solcher Schritt müsse mit der IG Metall abgestimmt werden. Es gebe aber noch andere Möglichkeiten, die Kosten zu drücken, etwa den Verzicht auf die Jahresleistung, neue Arbeitszeitmodelle und eine Erhöhung der Produktivität. Im Gegenzug müsse BSH aber die Sicherheit aller Arbeitsplätze auf fünf Jahre hinaus garantieren. Luis Sergio, Vertreter der IG Metall, wollte eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit am Dienstag weder ablehnen noch zusagen. Um die Arbeitsplätze in Spandau zu erhalten, könnten womöglich Fertigungsprozesse aus anderen Werken nach Berlin verlagert werden, schlug er vor.

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