Wirtschaft : Hoffnung in Asien, weil der Yen sich kräftig erholt

TOKIO/FRANKFURT (MAIN)/SYDNEY/SINGAPUR/PEKING (AFP/rtr/dpa).Der Yen hat sich nach der Devisenmarkt-Intervention der amerikanischen und der japanischen Notenbank erholt.Die japanische Währung wurde in Tokio zu einem Kurs von bis zu 135 pro Dollar gehandelt, nachdem sie zu Wochenbeginn den Stand von 146 erreicht hatte.An der Tokioter Börse schloß der Nikkei-Index mit einem Plus von 4,4 Prozent.

In Hongkong legte der Hang-Seng-Index 6,4 Prozent zu, in Singapur stieg der wichtigste Index um 2,3 Prozent.In Seoul gewann der Kospi-Index über sieben Prozent, nachdem er schon am Vortag über acht Prozent zugelegt hatte.Die Kurse in Bangkok kletterten sogar um gut acht Prozent.Auch die asiatischen Währungen schlossen fester.Der europäische Devisenmarkt blieb ruhig.Der Dollar fiel auch zur D-Mark zurück.Er notierte im Frankfurter Fixing mit 1,7841 um über einen Pfennig unter dem Stand vom Mittwoch.Der japanische Yen verteuerte sich auf 1,3099 DM, fast fünf Pfennig über dem Vortagesstand."Nach weiteren Interventionen sieht es im Moment nicht aus.Es ist aber möglich, daß die Entschlossenheit der Amerikaner und Japaner, den Yen zu verteidigen, bereits im frühen US-Handel getestet wird," sagte ein Devisenmarktteilnehmer.

Der japanische Regierungschef Hashimoto kündigte zum Schluß der Sitzungsperiode im Parlament entschiedene Wirtschaftsreformen an, ohne diese aber konkret zu benennen.Die Banken müßten das wahre Ausmaß der Probleme durch faule Kredite offenlegen.Er bekräftigte, die Steuerlast der Japaner senken zu wollen.Die Tokioter Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" berichtete, Hashimoto habe US-Präsident Bill Clinton eine grundlegende Reform des japanischen Finanzsystems zugesichert.

US-Finanzminister Robert Rubin hatte nach den Interventionen von Japan die Einlösung des Versprechens wirtschaftlicher Reformen gefordert.Dies sei der "Schlüssel" für die weitere Entwicklung, sagte Rubin in Washington.Weitere Eingriffe am Devisenmarkt schloß er nicht aus.Schätzungen amerikanischer Händler, die US-Notenbank habe zwei Mrd.Dollar (rund 3,6 Mrd DM) eingesetzt, wollte er nicht bestätigen.

Unterdessen ist Rubins Stellvertreter Lawrence Summers zu Gesprächen mit der japanischen Regierung in Japan eingetroffen.Nach den japanisch-amerikanischen Gesprächen steht am Sonnabend ein Treffen der Vize-Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G-7) in Tokio auf dem Programm.Der G-7 gehören neben den USA und Japan auch Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Kanada an.An dem Treffen nehmen auch Vertreter asiatischer Staaten sowie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) teil.Händler erwarten sich von den Treffen Aufschluß über Strukturreformen zur Sanierung der japanischen Wirtschaft.

Die Stützungskäufe geben der Konjunktur in Asien nach Ansicht eines Weltbankvertreters Auftrieb."Die Intervention läßt die Stimmung optimistischer und zuversichtlicher werden", sagte Jean- Michel Severino, Vizepräsident der Weltbank-Abteilung Ostasien und Pazifik, am Donnerstag in Sydney.Er hatte noch am Dienstag von einer drohenden Rezession für die Weltwirtschaft gesprochen, falls die asiatische Wirtschaftskrise nicht bewältigt wird.Nun sieht er die Region im nächsten Jahr auf den Wachstumspfad zurückkehren.Nach den Worten des Weltbankers kommt China nach der Stützung des japanischen Yen weniger in die Versuchung, mit dem Renminbi (Yuan) einen Abwertungswettlauf zu beginnen."Wir sehen keinen Sinn in einem Währungskrieg." Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking hob Chinas "stabilisierende Rolle" in der Finanzkrise in Asien hervor."China hat eine verantwortungsbewußte Haltung eingenommen.Selbst unter großem Druck verpflichten wir uns weiterhin, den Renminbi nicht abzuwerten."

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