Wirtschaft : Hoffnungen auf Frieden im Kosovo helfen dem Euro

BERLIN (mo).Die Hoffnung auf einen Frieden im Kosovo hat den Wechselkurs des Euro seit Wochenbeginn auf einen Aufwärtspfad geführt.Der Kurs stieg am Donnerstag zum dritten Mal in Folge und überschritt erstmals seit Mitte April wieder die Marke von 1,08 Dollar.Im Vergleich zum bisherigen Rekord-Schlußtief am Montag gewann die europäische Währung gemessen an den Dollar-Schlußkursen über zwei Prozent.Analysten zeigten sich überzeugt, daß der Euro bis zum Jahresende die Marke von 1,15 Dollar erreichen kann.

US-Notenbankchef Alan Greenspan erklärte unterdessen in Chicaco, er sehe Europa auch in den kommenden Jahren als einen positiven Stabilitätsfaktor für die Weltwirtschaft.Das wirtschaftliche Gesamtbild Europas bleibe solide, mit einer offensichtlich nicht vorhandenen Geldentwertung, sagte Greenspan.Europa habe offensichtlich bislang nicht so sehr wie die USA von Investitionen in neue Technologien profitiert, was ihm immer noch ein Rätsel sei, meinte Greenspan.

Währungsanalysten in Frankfurt bezeichneten die Kosovo-Nachrichten als wichtigen Katalysator für den in Gang gekommenen Aufwärtstrend des Euros.Nach einem Euro-Abschwung von zehn Prozent in vier Monaten suchten die Märkte nach dem nächsten großen Thema.Die Gefahr eines Rückschlags bezeichnen Fachleute momentan als eher gering.Kaum Einfluß auf die Euro-Entwicklung hatte nach Einschätzung der Händler die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB).Die ließ die Zinssätze für die Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert.Der Hauptrefinanzierungssatz der EZB liegt damit weiterhin bei 2,5 Prozent, der Einlagesatz bei 1,5 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 3,5 Prozent.Auf die Frage, warum sich der Euro in den vergangenen Tagen deutlich erholt habe, wollte der EZB-Chef Wim Duisenberg zunächst keine Einschätzung abgeben.Dazu sei es noch zu früh, sagte er.Interventionen habe es nicht gegeben.Allerdings verwies auch Duisenberg auf die Auswirkungen des Kosovo-Krieges auf die Kursentwicklung des Euros.

Grundsätzlich sieht Duisenberg auf kurze und mittlere Sicht keine Gefahren für die Preisstabilität.Die leichte Preisbeschleunigung sei vor allem auf die Preissteigerungen beim Öl zurückzuführen.Inflationsgefahren sieht Duisenberg selbst durch die Lohnentwicklung nicht aufziehen, wenngleich es einige Abschlüsse oberhalb des Produktivitätszuwachses gegeben habe.Auch Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer machte deutlich, daß die Preisstabilität nicht gefährdet sei.In einem Interview mit dem Anlegermagazin "Börse Online" sagte er, das Ziel einer Inflationsrate von deutlich unter zwei Prozent sei nicht in Gefahr.Im übrigen gebe es nicht den geringsten Hinweis für einen Paradigmenwechsel der EZB, die im April die Zinsen überraschend kräftig gesenkt hatte.

Unverändert ließ auch die Bank von England am Donnerstag ihre Schlüsselzinsen.Der Satz für Wertpapierpensionsgeschäfte, der Repo-Satz, bleibt damit bei 5,25 Prozent.Die britische Notenbank begründete ihre Entscheidung mit ermutigenden Anzeichen einer konjunkturellen Erholung in Großbritannien.Für den Fall, daß sich das relativ starke Pfund aber nicht abschwächen werde, wurde eine weitere Zinssenkung nicht ausgeschlossen.

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