Wirtschaft : Hohe Firmengewinne treiben die Kurse

Henrik Mortsiefer

Das Klima im April gibt Rätsel auf. So wie die Meteorologen über das Wetter staunten, ließen sich die Börsenexperten von anhaltend steigenden Aktienkursen überraschen. Doch in beiden Fällen mischen sich in das Wohlgefühl Zweifel: Das Hochdruckgebiet könnte Vorbote für einen Klimawandel sein. Am Aktienmarkt zeigte sich dies zuletzt an schwachen Tagen. Wenn Anleger nach besonders euphorischen Handelstagen aus Buchgewinnen Cash machten, wurden die Warnungen vor einem allgemeinen Kursrutsch lauter. Doch das große Rutschen ist vorerst ausgeblieben. Stattdessen hat sich der Deutsche Aktienindex (Dax) binnen eines Monats um mehr als sieben Prozent nach oben bewegt. Gemessen am Tief im März (6447) hat der Dax fast 1000 Punkte aufgeholt. Am Montag nahm der Index die Marke von 7400 Punkten. Immer häufiger wird nun die Zahl 8064 ins Spiel gebracht – der höchste Dax-Stand aller Zeiten aus dem Jahr 2000, von dem der aktuelle Dax weniger als zehn Prozent entfernt ist.

Was treibt die Kurse immer weiter nach oben? Es ist die euphorisierende Mischung aus glänzenden Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft – und überraschend guten Quartalszahlen. Von sieben Dax-Konzernen, die bisher ihre aktuellen Geschäftszahlen vorgelegt haben, konnten sechs die Erwartungen der Analysten übertreffen. Vor allem Altana, Bayer, Lufthansa und Siemens toppten die Prognosen. Um 13 bis 40 Prozent – so rechnete die DZ Bank aus – lagen die Firmen über dem, was die Experten vorausgesagt hatten. Im Fall von Siemens wogen die hervorragenden Zahlen sogar schwerer als die Führungskrise nach dem Abgang von Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer. Die Überraschung zum Jahresauftakt gibt Rückenwind für steigende Kurse. Denn die Firmen dürften nun nicht nur ihre Gewinnschätzungen für das laufende und kommende Jahr überdenken. Auch das Bruttoinlandsprodukt insgesamt könnte 2007 und 2008 höher als bisher angenommen ausfallen.

Im zurückliegenden Monat gingen 26 von 30 Dax-Werten mit Gewinnen aus dem Handel, sieben Werte verbuchten sogar zweistellige Prozentgewinne. An der Spitze notierten die erwähnten Quartals-Überflieger sowie Finanzwerte. Letztere wurden vom Übernahmekampf um die niederländische ABN Amro beflügelt. Kommt es tatsächlich zu einem neuen europäischen Großbanken-Verbund, stehen auch deutsche Institute wieder auf der Einkaufsliste.

Ein Gewinner des Vormonats fiel im April weit zurück: Daimler-Chrysler. Die mögliche Abspaltung von Chrysler belastet die Aktie des Stuttgarter Autokonzerns. Investoren rätseln, welches Szenario, Verkauf oder Verbleib im Konzern, am Ende umgesetzt wird. Vorstandschef Dieter Zetsche enttäuschte die Anleger auf der Hauptversammlung in Berlin mit unverbindlichen Ansagen.

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