Wirtschaft : Hohe Gebühren könnten Easyjet aus Berlin verjagen

Flughafen Schönefeld soll teurer werden – Experte rechnet dann mit Fortgang des Billigfliegers / Passagierzahlen steigen

Klaus Kurpjuweit,Flora Wisdorff

Berlin - Die Berliner Flughafengesellschaft könnte mit ihrer Gebührenpolitik den Kunden Easyjet vom Flughafen Schönefeld verprellen. Der Flughafen-Chef, Dieter Johannsen-Roth, kündigte am Freitag an, dass die Gebühren in Schönefeld langfristig steigen werden. Dieter Schneiderbauer, Luftfahrtexperte von der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting, geht bei einer Verteuerung der Gebühren für Easyjet in Schönefeld von einem Weggang der Fluggesellschaft aus: „Easyjet würde dann nicht etwa die Preise erhöhen, sondern in Erwägung ziehen, nach Leipzig/Halle zu ziehen“,sagte Schneiderbauer dem Tagesspiegel.

Easyjet selbst sagte dagegen am Freitag, das Unternehmen „gehe davon aus, dass es zu den gleichen Konditionen weiterfliegen werde wie bisher“. Die geplanten Veränderungen seien Easyjet bisher nicht mitgeteilt worden.

Flughafenchef Johannsen-Roth will die im Mai mit dem Start von Easyjet erlassene Gebührenordnung, die Rabatte für alle Gesellschaften vorsieht, die neue Ziele ins Programm aufnehmen und viele Passagiere anlocken, nun auch auf Tegel und Tempelhof ausdehnen. Hintergrund der Vereinheitlichung der Gebühren sind Beschwerden von Air Berlin und Lufthansa, die beide in Tegel höhere Gebühren zahlen müssen als Easyjet in Schönefeld. Air Berlin ist zudem vor Gericht gezogen, weil Air Berlin bei Starts ab Schönefeld nicht die gleichen Rabatte wie Easyjet bekomme. Das Landgericht Potsdam hatte am Mittwoch die Ungleichheit der Bedingungen bemängelt.

In Tegel und Tempelhof sind die Gebühren derzeit noch bis zu 25 Prozent höher, doch langfristig sollen die Sätze in Schönefeld so steigen, dass sich die Gebühren auf allen Flughäfen angleichen. Eine weitere Änderung: Rabatte bis zu 80 Prozent für neue Ziele soll es nur noch geben, wenn die Ziele von allen Berliner Flughäfen aus nicht per Direktflug zu erreichen waren. In Schönefeld gab es solche Rabatte bisher auch für Flüge zu neuen Zielen, die ab Tegel schon angeflogen wurden – auch davon profitiert bisher vor allem Easyjet. Laut Mercer-Experte Schneiderbauer lässt das Geschäftsmodell der europaweit größten Billigflieger Ryanair und Easyjet jedoch keine Preiserhöhungen zu. Beide Fluggesellschaften kalkulierten mit niedrigen Kosten an den Flughäfen. Vor der Entfernung nach Leipzig/Halle würden die Billigflieger nicht zurückschrecken. „Frankfurt/Hahn zieht ja auch genügend Passagiere an.“ Easyjet erwartet nach dem Urteil des Potsdamer Landgerichts, dass der Flughafen gegen das Urteil des Potsdamer Landgerichts klagen werde.

Ryanair, die von Schönefeld nach London fliegt, kritisierte das Urteil scharf: Der Fall sei ein weiteres Beispiel dafür, dass Konkurrenten Beihilferegeln missbrauchten, um Wettbewerb in Berlin zu verhindern, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Die falsche Entscheidung der EU-Kommission zu Ryanair im belgischen Charleroi werde jetzt in ganz Europa missbraucht. Mehrere Fluglinien hatten sich in Brüssel beschwert, dass Ryanair von der Region Charleroi bevorzugt werde. Mehrere Millionen Euro musste Ryanair daraufhin zurückzahlen.

Luftfahrtexperte Schneiderbauer unterstützt, dass die Regionalflughäfen versuchen, die Billigflieger mit günstigen Konditionen anzulocken. „Das ist in Ordnung, solange die Anreize für alle gelten“, sagte Schneiderbauer. In der Praxis würde die Gleichbehandlung bei den Gebühren jedoch etwa durch „Marketingzuschüsse“ an bestimmte Fluggesellschaften unterlaufen. Das sei wettbewerbswidrig.

Die EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio will voraussichtlich schon in der kommenden Woche eine Richtlinie auf den Weg bringen, die genau festlegt, welche Beihilfen von Regionalflughäfen gerechtfertigt sind.

Die Berliner Flughafen GmbH ist unterdessen optimistisch: Auch wenn in Tegel und Tempelhof ein Rabattsystem nach Schönefelder Vorbild eingeführt werden sollte, erwartet Flughafen-Chef Johannsen-Roth insgesamt höhere Einnahmen. Generell steigen sollen die Gebühren für nächtliche Starts und Landungen. Die Zahl der Passagiere insgesamt werde in diesem Jahr auf 15,37 Millionen steigen, ein Jahr zuvor waren es 13,5 Millionen, kündigte Johannsen-Roth an. 2005 sollen es dann bereits 17,4 Millionen Fluggäste sein. Damit liege man dank der Billigflieger deutlich über den bisherigen Prognosen, sagte Johannsen-Roth. Während die Flughafengesellschaft daran festhält, Tempelhof so schnell wie möglich zu schließen, sollen in Tegel und Schönefeld die Kapazitäten erweitert werden. In Schönefeld plant man ein neues Abfertigungsgebäude für zwölf Millionen Euro.

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