• Hohe Strafe im größten Betrugsfall Deutschlands Ex-Flowtex-Chef Schmider muss elfeinhalb Jahre ins Gefängnis

Wirtschaft : Hohe Strafe im größten Betrugsfall Deutschlands Ex-Flowtex-Chef Schmider muss elfeinhalb Jahre ins Gefängnis

-

Mannheim (dpa). Im neuen Prozess um den milliardenschweren FlowtexBetrugsskandal ist der ehemalige Firmenchef Manfred Schmider zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Damit blieb das Mannheimer Landgericht nur sechs Monate unter dem ursprünglichen Urteil von zwölf Jahren. Schmider habe an der Spitze einer Bande gestanden, die ein „kriminelles Imperium“ aufgebaut habe, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag zur Begründung. „Elf Jahre und sechs Monate, das ist für uns die richtige Sühne für 243 Einzeltaten.“

Mit einem strafrechtlichen Schaden von mehr als zwei Milliarden Euro gilt der Betrug als größter Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Schmider hatte jahrelang mit nicht vorhandenen Bohrsystemen gehanelt und war dafür im Dezember 2001 verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil wegen möglicher Befangenheit der Mannheimer Richter im Strafmaß aufgehoben. In der Neuauflage hatte die Staatsanwaltschaft für den Ex-Flowtex-Chef eine Haftstrafe von elf Jahren und zehn Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf neuneinhalb Jahren plädiert. Der Schmider-Anwalt kündigte nach dem Richterspruch an, das Urteil erneut anzufechten. Für ein Mitverschulden von Banken und Finanzbeamten an den jahrelangen Betrügereien gebe es keine Anzeichen, erklärte das Gericht.

Die Verteidigung des ehemaligen Firmenchefs hatte im Prozess argumentiert, dass erst durch das Mitwissen und Mitwirken der Finanzbehörden sowie einem Klima des „politischen Wohlwollens“ die Scheinleasing-Geschäfte mit rund 3300 nicht vorhandenen Bohrsystemen möglich gewesen seien. Schmider sei davon gestärkt und gelenkt worden. Ein Psychiater hatte Schmider in dem Prozess eine verminderte Schuldfähigkeit auf Grund seiner Persönlichkeitsstruktur bescheinigt. Dies wurde aber ebenfalls vom Landgericht nicht berücksichtigt. Der Rechtsanwalt des 53-Jährigen, Klaus Ulrich Ziegler, kritisierte die Entscheidung als politisches Urteil. Ein Mitwirken des Landes Baden-Württemberg an den Betrügereien sei damit verdeckt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben