Wirtschaft : Hohe Strompreise treiben Konzerngewinne Verbraucherschützer: Geld ist nicht redlich verdient

Anselm Waldermann

Berlin - Dank der hohen Strompreise erzielen die deutschen Energiekonzerne Rekordgewinne. Marktführer Eon konnte seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2005 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 3,03 Milliarden Euro steigern. Das drittgrößte Energieunternehmen des Landes, EnBW, kam auf einen Überschuss von 422 Millionen Euro – das ist ein Plus von 147 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Halbjahreswert in der Konzerngeschichte. Die Nummer zwei am Markt, RWE, wird ihre Zahlen an diesem Donnerstag vorlegen. Beobachter gehen auch hier von einem Sprung nach oben aus.

Verbraucherschützer kritisierten die Entwicklung. „Das ist kein redlich verdientes Geld“, sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem Tagesspiegel. „Die Konzerne haben es den Kunden unter Missbrauch ihrer Monopolstellung abgenommen.“ Die vier großen Stromkonzerne – neben den genannten drei noch Vattenfall Europe – haben die Übertragungsnetze in Deutschland komplett untereinander aufgeteilt. Außerdem stehen sie für mehr als 80 Prozent der gesamten Stromerzeugung. „Wenn die Konzerne kostengerechte Preise verlangen würden, wie es auf echten Wettbewerbsmärkten üblich ist, dann könnten die Stromtarife um 20 bis 30 Prozent sinken“, sagte Peters.

Die Unternehmen selbst widersprechen dieser Darstellung. So seien die Beschaffungspreise für Kohle und Gas gestiegen, und auch der Emissionshandel mit Kohlendioxid-Zertifikaten habe Strom verteuert. „Warum dann aber die Gewinne der Konzerne explodieren, ist nicht schlüssig“, sagte Rüdiger Kornblum, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens NUS Consulting. Auch die Ökosteuer und die Förderung der erneuerbaren Energien taugten nicht als Erklärung für die hohen Strompreise: „Beide sind im vergangenen Jahr nicht gestiegen“, sagte Kornblum.

Freuen können sich indes die Aktionäre. EnBW-Aktien stiegen am Mittwoch deutlich und schlossen bei 45,10 Euro, das war ein Plus von 6,62 Prozent. Eon-Papiere verteuerten sich um 3,08 Prozent auf 78,34 Euro. „Die Energiekonzerne sind gut aufgestellt“, sagte Analyst Stephan Wulf vom Bankhaus Sal. Oppenheim dem Tagesspiegel. Für Anleger stellten sie auch langfristig ein „absolut lohnendes Investment“ dar. Dies dürfte auch in Zukunft so bleiben: Experten rechnen mit einem anhaltend hohen Niveau der Strompreise. „Wir sehen keine Anzeichen für ein Sinken“, sagte Wulf.

Der Umsatz von EnBW war im ersten Halbjahr um 13,4 Prozent auf 5,18 Milliarden Euro gestiegen. „Damit lassen sich die strategischen Zukunftsthemen erfolgreich gestalten“, sagte Konzernchef Utz Claassen. Für das Gesamtjahr rechnet er wegen Beteiligungsverkäufen zwar mit einem Umsatzrückgang. Im Kerngeschäft Strom erwartet EnBW jedoch ein Plus von drei Prozent, bei Gas sogar von knapp 15 Prozent. Für die Verbesserung des Ergebnisses seien vor allem Kostensenkungen verantwortlich, sagte Claassen.

Bei Eon war der Umsatz im ersten Halbjahr um 16 Prozent auf 28 Milliarden Euro gestiegen. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen erneut ein Rekordergebnis.

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