Wirtschaft : Hoher Benzinpreis macht Erdgasautos attraktiv

Hersteller verzeichnen deutlich mehr Bestellungen

Bernd Hops

Berlin - Auf die hohen Spritpreise reagieren die meisten Autofahrer in Deutschland, indem sie ihren Wagen häufiger stehen lassen oder zum Tanken über die Grenze fahren. Einige gucken sich aber auch andere Sparalternativen an. Deshalb profitieren zurzeit die Hersteller von Erdgas-Autos und die Mitfahrzentralen vom teuren Benzin. „Seit März haben wir deutlich mehr Bestellungen“, sagt Klaus Hablik, Sprecher der Opel-Tochter Opel Special Vehicles. „Und der Zuwachs hat sich seit Juni nochmal beschleunigt.“ Auch öffentliche Verkehrsbetriebe denken verstärkt über die Anschaffung von Erdgasbussen nach. Und hier ist Deutschland einer der Vorreiter.

Insgesamt fahren zurzeit etwa 20000 Erdgas-Pkws auf deutschen Straßen. Mit Abstand die meistgekaufte Marke ist dabei Opel mit den Modellen Zafira und Astra. Und die Zahl wächst. „Zurzeit haben wir pro Monat 600 Aufträge aus Deutschland“, sagt Opel-Sprecher Hablik. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Nachfrage mehr als verdoppelt. Weitere 400 Stück werden vor allem nach Italien und das übrige Europa verkauft. „Wir gehen davon aus, dass der Trend anhält.“ Im Mai 2005 will Opel deshalb auch den Combo-Kleinlaster als Erdgas-Fahrzeug auf den Markt bringen.

Erdgas ist als Treibstoff wesentlicher billiger als Benzin. Umgerechnet kostet ein Liter Erdgas 45 bis 47 Cent, während Super im Bundesschnitt zurzeit knapp 1,20 Euro kostet. Der Kostenvorteil macht sich relativ schnell bemerkbar: Zwar kostet etwa ein Opel Zafira in der Erdgas-Variante laut Liste rund 2600 Euro mehr als der Benziner. Bloß bieten eine Reihe von regionalen Versorgern ihren Kunden Zuschüsse bei der Anschaffung. Und: Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 30000 Kilometern pro Jahr fährt der Erdgas-Zafira bereits ab dem zweiten Jahr mit Gewinn im Vergleich zum Benziner.

Allerdings haben Erdgas-Autos zwei erhebliche Nachteile. Zum einen ist ihre Reichweite begrenzt – auf 350 bis 500 Kilometer je nach Tankgröße. Es gibt auch Gasautos sowohl mit Benzin- als auch Gastank, aber das geht auf Kosten etwa des Kofferraums. Zum anderen ist das Tankstellennetz noch nicht flächendeckend, wobei Deutschland nach Italien die beste Versorgung in Europa hat. Marktführer Aral will hier zu Lande bis Jahresende 100 Tankstellen haben, die auch Erdgas anbieten. „Wir wollen guten Willen zeigen und bauen das Netz weiter aus“, sagt Ulrich Winkler, Sprecher von BP-Aral. Bisher ist das Ganze aber noch ein Zuschussgeschäft. „Die Wirtschaftlichkeit ist ein Problem für uns. Wir verlieren eine Säule, und an der Gaspumpe tankt kaum ein Fahrzeug pro Tag“, sagt Winkler.

Neben Gas-Pkws gibt es verstärkt Gasbusse im öffentlichen Nahverkehr – auch wenn der Zuwachs nicht ganz so stark ist. „In den letzten Jahren ist einiges passiert“, sagt Friedhelm Bihn, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). In der Regel sei Erdgas für die Verkehrsunternehmen dann günstiger, wenn der städtische Versorger eine Schwesterfirma ist. Ansonsten schrecken die Investitionen – etwa in eine Tankstelle – ab. Die Verkehrsbetriebe in Frankfurt (Oder) haben trotzdem seit 2002 nach und nach 24 Diesel- durch Gasbusse ersetzt. Anstoß sei ein Wettbewerb des Bundesumweltministeriums gewesen, den die Frankfurter gewannen, sagt Michael Ebermann, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe. Doch neben der Ökologie spielt auch der steigende Dieselpreis eine wachsende Rolle – und beschert den Frankfurtern viele Besucher aus dem In- und Ausland. „Das hat gerade in den letzten Monaten stark zugenommen“, sagt Ebermann. In Aufträgen für die Busproduzenten schlage sich das aber noch nicht nieder, heißt es zum Beispiel bei Mercedes-Benz.

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