Wirtschaft : Hoher Ölpreis bereitet der EZB Sorgen

Europäische Zentralbank lässt Leitzins unverändert/Auftragseingang und Aktien fallen

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Berlin (mot). Die Europäische Zentralbank (EZB) glaubt vorerst weiter an den Aufschwung. Die Notenbank ließ die Leitzinsen am Donnerstag unverändert bei 2,0 Prozent. EZBPräsident Jean-Claude Trichet begründete dies mit einer weiterhin moderaten Inflation im Euroraum. Sie betrug im April 2,0 Prozent.

Sorgen bereitet Trichet aber der hohe Ölpreis: Er könne die Teuerungsrate in den kommenden Monaten auf über zwei Prozent treiben, sagte Trichet in Helsinki. „Wir haben die Inflation mittelfristig aber unter Kontrolle“, versicherte der Notenbankchef. Die Inflationserwartungen müssten aber genau beobachtet werden.

Der Juni-Terminkontrakt für einen Barrel (159 Liter) der Nordsee-Marke Brent-Öl stieg am Donnerstag über die Marke von 37 Dollar. Analysten halten bereits einen Anstieg über die Marke von 40 Dollar je Barrel für möglich. Die Internationale Energieagentur IEA warnte vor einem neuen „Ölschock“. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) plant trotz des rasanten Preisanstiegs keine Sondersitzung vor ihrem nächsten offiziellen Treffen am 3. Juni in Beirut. Dies sagte am Donnerstag ein Vertreter des Kartells.

Der Euro reagierte am Donnerstag mit Kursabschlägen auf die Nachrichten. Die EZB legte den Referenzkurs am Mittag bei 1,2116 (Mittwoch: 1,2126) Dollar fest. Am Abend sank der Kurs weiter auf 1,2076 Dollar. Auch die Aktienkurse fielen: Der Dax rutschte um 2,8 Prozent auf 3909,46 Punkte.

Dass die wirtschaftliche Erholung möglicherweise nicht so kräftig ausfallen wird, wie die Notenbank erwartet, deuten auch aktuelle Auftragseingänge der deutschen Industrie an: Im Vergleich zum Februar erhielt die Industrie im März überraschend 0,7 Prozent weniger Aufträge, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Berlin mit. Allein die Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten ein Auftragsplus, während Vorleistungs- und Konsumgüter weniger stark nachgefragt wurden. Rückläufig (minus 0,9 Prozent) war auch der Auftragseingang aus dem Ausland – ein schlechtes Omen für die traditionell starke deutsche Exportindustrie.

Die Mischung aus einem hohen Ölpreis, der die Inflation antreibt, und einer schwachen Konjunkturerholung, die eher für ein stabiles Preisniveau spricht, könnte „langfristig zu einem Dilemma für die EZB werden“, wie Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus&Burkhardt sagte. „Es wirken Kräfte in beide Richtungen.“ Trichets Äußerungen am Donnerstag zeigten, dass die Notenbank nach dem Motto „wait and see“ handele und die weitere Preis- und Konjunkturentwicklung zunächst abwarte. „Wir werden mit der Zeit sehen, ob wir etwas ändern“, sagte der EZB-Chef. „Es besteht auch kein Grund zur Panik“, kommentierte Beckmann.

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