Wirtschaft : Hoher Ölpreis macht das Fliegen teurer

British Airways erhöht Treibstoffzuschlag, Ferienflieger verlangen bis zu zwölf Euro mehr – Pauschalreisen werden trotzdem billiger

Flora Wisdorff,Antje Sirleschtov

Berlin – Fliegen wird wegen des hohen Ölpreises zunehmend teurer. Europas zweitgrößte Fluglinie British Airways kündigte am Montag an, sie werde ihren im Mai eingeführten Treibstoffzuschlag auf Langstreckenflügen mehr als verdoppeln. Der Zuschlag soll von 2,50 Pfund (3,75 Euro) auf sechs Pfund (neun Euro) erhöht werden. Auch Air Berlin, LTU, Hapag-Lloyd-Flug und Condor erhöhen im Winter die Preise. Die Reiseveranstalter wollen ihre Preise aber trotzdem senken und an anderer Stelle sparen. Ohne Kerosinaufschlag wäre es noch billiger geworden, beteuern sie. Preiserhöhungen wegen steigender Dieselkosten ab 2005 haben auch zahlreiche Nahverkehrsunternehmen angekündigt.

Der seit Jahresbeginn steigende Ölpreis war am Freitag auf eine neue Rekordhöhe geklettert.Der Verband der internationalen Fluggesellschaften (IATA) geht wegen der gestiegenen Rohölpreise in diesem Jahr von einem Kostenschub von rund zehn Milliarden Dollar aus.

Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, verlangt für jeden Passagier, den die Firma für einen Reiseveranstalter befördert, sechs bis neun Euro extra. Auch beim Einzelplatzverkauf wird es teilweise teurer – um vier bis fünf Euro, sagt Sprecher Peter Hauptvogel. Auf manchen Strecken sollen die Preise aber gleich bleiben: Wo der Wettbewerb stark sei, müsse Air Berlin „in den sauren Apfel beißen“ und den Verlust hinnehmen.

Auch die LTU hat ihre Preise erhöht: Drei bis sechs Euro auf der Kurz- und Langstrecke und zwölf Euro bei den Fernstrecken. Bei der LTU gelten diese Preiserhöhungen für Reiseveranstalter und den Einzelplatzverkauf. Bei Hapag-Lloyd-Flug steigen die Preise um sechs bis acht Euro – für die Veranstalter, im Einzelplatzgeschäft bleiben sie aber gleich. Die Ticketpreise der Condor lägen „leicht über dem Vorjahresniveau“, sagte ein Sprecher.

Die Reiseveranstalter wollen ihre Pauschalreisen-Preise für den Endverbraucher in diesem Jahr dennoch senken. Bei der Thomas-Cook-Tochter Neckermann werden Reisen um acht Prozent billiger: „Wir haben mit den Hoteliers bessere Preise ausgehandelt“, sagte ein Sprecher. Auch bei der Tui wird es im Winter günstiger. Ohne die neuen Aufschläge, sagte Tui-Sprecher Robin Zimmermann, würden die Pauschalreisen jedoch noch weniger kosten. Auch die FTI-Frosch-Touristik und Rewe-Touristik haben eine Verteuerung ihrer Reisen ausgeschlossen. „Die Preise in der Wintersaison werden insgesamt niedriger sein als im Vorjahr“, so die FTI-Sprecherin, weil an anderer Stelle gespart worden sei. Das Unternehmen gibt seine Winterpreise am 23. August bekannt. Auch bei der Rewe-Touristik muss der Endverbraucher nicht mehr zahlen: Die Reisen würden „nicht teurer“ als im Vorjahr, sagte eine Sprecherin. Die Lufthansa will ihre Preise vorerst stabil halten. Sie verteuerte aber bereits Anfang Juli ihre Interkontinentaltickets um drei Prozent. Die Billigfluglinie Easyjet will höhere Treibstoffkosten vorerst nicht an Kunden weitergeben, auch Ryanair schließt dies aus. Die deutschen Anbieter Germanwings, Hapag-Lloyd-Express und dba haben ebenfalls derzeit keine Pläne für höhere Preise.

Die Nahverkehrsunternehmen werden ihre Preise zwischen drei und sechs Prozent erhöhen. Beim Bundesverband VDV hieß es aber am Montag, dass es neben den Spritpreisen noch andere Kostentreiber dafür die Ursache seien. Großen Einfluss hätten auch die Entscheidungen von Bundes- und Landesregierungen, die Ausgleichszahlungen für den verbilligten Schüler- und kostenlosen Behindertentransport zu reduzieren. „Wir transportieren ab Januar jeden vierten Behinderten umsonst“, sagte ein VDV-Sprecher.

Bei der Deutschen Bahn hieß es, zu Preisanhebungen gebe es „keinen Beschluss“. Ein Sprecher verwies darauf, dass die Bahn bei den aktuellen Spritpreisen günstiger sei als eine Pkw-Reise .

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