Wirtschaft : Hoher Ölpreis macht Orangen teuer Was Obst kostet – und woher der Preis kommt

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Schon Konrad Adenauer kämpfte für den freien Handel mit der liebsten Südfrucht der Deutschen. Der erste Bundeskanzler setzte den zollfreien Bananen handel im Vertrag der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft durch. In Europa entwickelten sich abgeschottete Bananenmärkte: Die Deutschen kauften Dollarbananen in Südamerika, während zum Beispiel die Franzosen aus ihren ehemaligen Kolonien importierten. Die Bananenmarktordnung von 1993 war der Versuch, die Interessen aller EUStaaten unter einen Hut zu bringen. Resultat war ein bürokratisches Preisregime, das bis heute gilt und die Preise künstlich hoch hält. Im Rahmen der Welthandelsgespräche wurde eine schrittweise Liberalisierung vereinbart, die langfristig zu sinkenden Preisen führen könnte. Auch gegenwärtig sind Bananen sehr günstig zu haben. Der Verbraucher zahlt für ein Kilo im Schnitt 1,15 Euro, im Frühjahr lag der Preis noch bei 1,35 Euro.

Genau anders herum ging die Preisentwicklung bei Orangen : Kostete das Kilo Anfang des Jahres nur 0,99 Euro, liegt der von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) ermittelte Durchschnittspreis derzeit bei 1,53 Euro. Orangen sind im Winter, wenn die Ernte der südlichen Hemisphäre zu uns kommt, generell günstiger als im Sommer. Unklar ist, wie sich der Hurrikan Charley, der Floridas Zitrusbäume dezimierte, auf die Preise auswirken wird. Bei allen Früchten, die wie Bananen und Orangen zu großen Teilen aus Übersee kommen, ist mittelfristig mit Preiserhöhungen zu rechnen: Der hohe Ölpreis sorgt für steigende Transportkosten.

Im heißen Sommer 2003 klagten die deutschen Bauern über eine besonders schlechte Erdbeerernte. Nur 95000 Tonnen heimischer Erdbeeren kamen voriges Jahr auf den Markt. Dieses Jahr war das Wetter günstiger und der Bauernverband rechnet mit einer Rekordernte von 110000 Tonnen in Deutschland. Die Preise liegen derzeit mit 3,59 Euro pro Kilo deutlich unter 5,47 Euro, dem Preis von vor einem Jahr. Doch der Preisverfall wird durch die gestiegene Menge kompensiert. „Der Absatz der Erzeugerorganisationen übertraf den Vorjahresumfang bis Ende Juli um 40 Prozent!“, freute sich jüngst der Deutsche Bauernverband.

Auch die zum Weichobst zählenden Pfirsiche sind zurzeit viel günstiger als vor einem Jahr. 2,15 Euro kostete damals das Kilo, jetzt zahlen Verbraucher im Bundesdurchschnitt gerade mal 1,48 Euro. Darin spiegeln sich die Wetterverhältnisse in den wichtigen Exportländern wie Italien und Spanien. Da Weichobst nicht lange aufbewahrt werden kann, können Lieferausfälle nicht durch Lagerbestände ausgeglichen werden und der Preis schlägt Kapriolen.

Die deutsche Apfel ernte liegt 2004 unter dem Durchschnitt, schätzt der Bauernverband. Dazu haben vor allem Hagelschäden beigetragen. Auch die beiden Vorjahre waren dünn, daher gibt es hier zu Lande keine besonders großen Reserven mehr. Dafür rechnet der Verband im Herbst erstmals mit größeren Lieferungen aus dem neuen EU-Mitgliedstaat Polen. Die weit verbreitete Sorte Jonagold kostet zurzeit mit 1,84 Euro pro Kilo rund 20 Cent mehr als zu Jahresbeginn. avi

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