Wirtschaft : Hoher Pfundkurs und Rover-Sanierung drücken den BMW-Überschuß

MÜNCHEN (tmh). BMW leidet weiter unter dem "englischen Patienten" Rover. Vor allem wegen hoher Sanierungskosten für die britische Tochter und eines anhaltend hohen Pfundkurses ist der konzernweite Halbjahresüberschuß um mehr als ein Viertel auf rund 374 Mill. DM eingebrochen, teilten die Münchner in einem Zwischenbericht mit. Schon 1998 waren die konzernweiten Profite wegen der Rover-Misere um gut ein Viertel zurückgegangen. Bis Jahresende will Vorstandschef Joachim Milberg den neuerlichen Gewinnrückgang wieder aufholen und wie im Vorjahr etwa 900 Mill. DM Jahresüberschuß erreichen. Der neue Konzernlenker vertraut auf die laufende Rover-Sanierung, einen Markterfolg des Modells Rover 75, ein weiteres Rekordjahr der Stammarke BMW und einen Verlustabbau im Triebwerkgeschäft. Kurzfristig sorgt auf der britischen Insel massiver Stellenabbau für Entlastung. Binnen 18 Monaten wurde die dortige Rover-Belegschaft bis Ende Juni um über 8000 Personen auf noch gut 31 000 Mitarbeiter verringert. Damit sei der Abbau zum größten Teil abgeschlossen, sagte ein BMW-Sprecher.Für bessere Geschäfte soll im zweiten Halbjahr 1999 das erste unter BMW-Führung entwickelte Rovermodell R 75 sorgen, von dem bis Jahresende rund 40 000 Einheiten verkauft werden sollen. "Der R 75 leitet eine neue Ära bei Rover Cars ein", hoffen die Münchner. Bis Ende Juni wurde allerdings die Rover-Produktion auf gut 87 000 Autos halbiert. Die Verkäufe sanken um ein Drittel auf 114 000 Einheiten. Die große Differenz zwischen Produktion und Auslieferungen begründete ein BMW-Sprecher mit dem Lagerabbau. Das Ziel, den vorjährigen Rover-Verlust von knapp 1,9 Mrd. DM zu verringern, könne nur bei einem sinkenden Pfund-Kurs erreicht werden. Mitentscheidend für die Rover-Erholung ist die Modellpalette, die runderneuert wird. Den Anfang macht jetzt der R 75, der die noch unter Honda-Regie entwickelten R 600 und R 800 ablöst. Ende 2000 soll ein neuer Kleinwagen der Marke Mini vom Band rollen. Im Jahr 2003 folgt dann der R 30, der die heutigen R 200 und R 400 ersetzt. Damit verbunden ist eine von der britischen Regierung subventionierte Komplettsanierung des Rover-Hauptwerks in Longbridge. Fortschritte müßten vor allem mit Blick auf den R 75 schon im zweiten Halbjahr 1999 erkennbar werden. Eine verläßliche Stütze für das Geschäft auf der Insel ist die Marke Land Rover, der dieses Jahr eine neuer Verkaufsrekord für Geländewagen bevorsteht. Der Freelander ist schon jetzt Europas erfolgreichstes Allrad-Modell, während der 40 Jahre alte Kleinwagen Mini und MG-Sportwagen mit massiven Einbrüchen kämpfen. Das schlägt angesichts geringer Stückzahlen dieser beiden Marken jedoch kaum ins Gewicht.Für Entlastung sorgt 1999 auch ein Verlustabbau der Triebwerktochter BMW Rolls-Royce (BRR) GmbH, die 1998 noch ein Defizit von 458 Mill. DM verbucht hatte. BRR verfüge über ein Auftragsvolumen von vier Mrd. DM und werde dieses Jahr erstmals die Milliardengrenze beim Umsatz übertreffen. Die Produktion in Dahlewitz-Hoppegarten wird dabei von jährlich 100 auf 170 Triebwerke und ab dem Jahr 2000 weiter auf 300 Einheiten gesteigert. Über Wasser hält den Gesamtkonzern das Münchner Stammhaus, das 1999 auf eine neues Rekordjahr zusteuert. Die BMW-Verkäufe legten zum Halbjahr um gut 13 Prozent auf fast 387 000 Pkw zu, die Produktion um rund neun Prozent auf 382 000 Automobile. Getragen ist diese Entwicklung aber nur von der preisgünstigen 3er-Reihe, von der mit 257 000 Einheiten fast ein Drittel mehr verkauft wurden. Die 5er- und 7er-Reihen fanden dagegen weniger Käufer, was auf die Profitabilität drückt. Konzernweit stagnierten die Verkäufe zum Halbjahr bei gut 604 000 Automobilen. Dagegen steht die Berliner Motorradsparte mit einem Plus von knapp vier Prozent auf 38 000 Einheiten vor dem siebten Rekordjahr in Folge. Die Kfz-Produktion schrumpfte wegen der Rover-Schwäche um elf Prozent auf 563 000 Autos; der Konzernumsatz stieg um gut drei Prozent auf knapp 32 Mrd. DM. Die gespaltene Entwicklung im Konzern wird auch in der Mitarbeiterzahl deutlich. Dem Personalabbau in Großbritannien steht ein Aufbau von 1000 Stellen im Inland auf nun 69 426 Mitarbeiter gegenüber. Konzernweit ging die Zahl der Stellen um knapp 5000 Personen auf 115 433 zurück.

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