Wirtschaft : Hohes Tempo in der Luxusnische

Alfons Frese

Der Kleinste ist der Feinste. Porsche hat doppelt so viel Gewinn eingefahren wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg um ein Viertel; nur über Sonderschichten und die Sportwagenmontage in Finnland konnte die Nachfrage nach den Modellen 911 und Boxster gedeckt werden. Vor allem im Wirtschaftswunderland USA mit den vielen Millionären nahm die Geschwindigkeit zu: Fast die Hälfte aller Rennwagen verkauft Porsche dort. Und in Stuttgart bleibt richtig was hängen: Die Umsatzrendite vor Steuern liegt bei 11,3 Prozent und damit branchenweit an der Spitze. VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch wäre schon mit der Hälfte zufrieden. Gerade eben hat Piëch die nach unten korrigierte Absatzprognose für Europas größen Autohersteller mit der Aussage flankiert, eine Umsatzrendite von 6,5 Prozent vor Steuern gehöre zu den "langfristigen Zielen".

Nun ist das Luxusprodukt Porsche nicht mit Volkswagen vergleichbar. Doch die so unterschiedlichen Geschäftsverläufe lassen Ableitungen für die Branche insgesamt zu. Die großen Volumenhersteller kommen in der gerade beginnenden Absatzflaute und aufgrund beträchtlicher Überkapazitäten inklusive eines beinharten Preiswettwerbs ins Schlingern. Im übrigen greift von den Großen jeder jeden an: VW beispielsweise mit den avisierten Nobelautos Mercedes, Mercedes mit der A-Klasse VW. Gleichzeitig bringen Mehrmarkenstrategie und Plattformfertigung zunehmend Probleme: Im VW-Konzern graben sich Skoda, VW-Modelle und Audi wechselseitig das Wasser ab, weil sie sich kaum noch unterscheiden. Wohl dem, der sich auf eine Luxusnische beschränkt und damit herrliche Margen einfährt. Das will Piëch auch. Deshalb entwickelt VW zusammen mit Porsche eine Geländewagen. Damit etwas vom Glanz des Kleinen auf den Riesen fallen möge.

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