Wirtschaft : Holbrooke: Indonesien vor einer Katastrophe

Reformwillen Suhartos bezweifelt / Expertentreffen in Tokio / Rekordarbeitslosigkeit in Südkorea HONGKONG / TOKIO / SEOUL ((AFP/dpa).).Der ehemalige US-Spitzendiplomat Richard Holbrooke befürchtet, daß Indonesien in eine Katastrophe steuert.Es bestünden nur geringe Aussichten, daß Präsident Suharto wirkliche Reformen umsetze, sagte der inzwischen als Bankier tätige Vater des Daytoner-Friedensabkommens für Bosnien am Donnerstag in einem AFP-Interview.Japanische Finanzfachleute sagten dagegen am Rande eines Asiatisch-Pazifischen Expertentreffens in Tokio, es gebe "ermutigende Zeichen" für die von der Finanzkrise erschütterten Länder in Südostasien.Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) stellte Thailand einen Hilfsfonds in Höhe von einer Mrd.Dollar in Aussicht.In Südkorea stieg die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordniveau.In den ersten beiden Monaten des Jahres erhöhte sich die Erwerbslosenzahl um knapp 700 000 auf 1,23 Millionen, die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 5,9 Prozent. Holbrooke, Vizepräsident der Bank Credit Suisse First Boston, sagte weiter, in Indonesien hänge alles davon ab, ob Suharto sein Land reformiere.Er sehe aber schwarz.Wer sich jetzt in den krisengeschüttelten Ländern hinter den Schlagworten "asiatische Werte" und "Souveränität" verschanze, wolle nur eine Kontrolle seiner Arbeit verhindern.Die asiatischen Länder könnten nicht auf den internationalen Kapitalmärkten Kredite aufnehmen, ohne ihre Bilanzbücher vorzuzeigen.Die Zahl der Arbeitslosen in Indonesien verdoppelte sich binnen eines Jahres fast auf 8,7 Millionen.Die Zeitung "Jakarta Post" berichtete am Donnerstag weiter unter Berufung auf das Arbeitsministerium, die Zahl der Unterbeschäftigten habe sich Ende Februar auf 18,4 Millionen im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar mehr als verdoppelt.Die japanischen Banken sind einem Bericht der Tokioter Zeitung "Mainichi Shimbun" zufolge bereit, die Schuldentilgung für indonesische Firmen um ein halbes Jahr auszusetzen.Die indonesische Führung erwarte aber weitergehende Maßnahmen.Der japanische Vize-Finanzminister Yasuhisa Shiozaki sagte auf dem Tokioter Treffen von Vertretern der Finanzministerien und Notenbanken aus Asien, es gebe ermutigende Zeichen von den krisengeschüttelten Ländern.Das internationale Finanzsystem müsse verbessert werden, gleichzeitig sollte aber auch jedes Land Strukturreformen angehen, darunter durchaus auch Japan.Die stellvertretenden Finanzminister und Notenbankchefs aus 14 Ländern wollen zwei Tage die gegenwärtige Wirtschaftslage in Asien diskutieren.Zu den Teilnehmern zählen Vertreter der USA, Chinas, der Asean-Staaten sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB).Dabei dürfte es vor allem um die Lage in Indonesien gehen.Auch der IWF hatte unlängst Jakarta mangelnden Reformwillen unterstellt und daraufhin die Teilauszahlung neuer Hilfskredite verzögert.Der Fonds macht sein im Januar mit Präsident Suharto vereinbartes Hilfsprogramm über 40 Mrd.Dollar von der Umsetzung weitgehender Reformen abhängig.

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