Wirtschaft : Holsten leidet unter dem Dosenpfand

Brauerei erwartet in diesem Jahr einen schrumpfenden Biermarkt/Kritik an der neuen Verpackungsverordnung

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Hamburg (beu/HB). Das EinwegPfand auf Bierdosen, die allgemeine Konsum-Unlust und die rückläufigen Umsätze in der Gastronomie werden den Bierabsatz in Deutschland in diesem Jahr um neun bis zehn Prozent schrumpfen lassen. Das erwartet Andreas Rost, Vorstandschef der Hamburger Holsten Brauerei. „Die Unsicherheiten stellen für die Branche und die Holsten Brauerei eine erhebliche Herausforderung dar“, sagte er.

Und sie ließen ihn mit einer Prognose für das Gesamtjahr vorsichtig sein. Der mit 10,22 Millionen Hektolitern Bier und 4,14 Millionen Hektolitern alkoholfreien Getränke größte deutsche Braukonzern arbeite daran, wieder ein zufriedenstellendes Ergebnis und eine Dividende sicherzustellen, sagte Rost. Holsten-Finanzchef Horst Bülck ergänzte: „Um eine Dividende von 0,45 Euro zu zahlen, benötigt Holsten 6,2 Millionen Euro Jahresüberschuss.“ Im Jahr 2002 hatte Holsten bei 834 Millionen Euro Umsatz (plus 2,6 Prozent) einen Jahresüberschuss von 10,4 Millionen Euro ausgewiesen. Immerhin erwartet Holsten im ersten Quartal, trotz eines mit 1,9 Millionen Hektolitern um gut neun Prozent niedrigeren Bierabsatzes in In- und Ausland, ein im Vergleich zum Vorjahresquartal unverändertes Ergebnis.

Die Hauptsorge der Branche gilt dem Dosenpfand und der geplanten Novellierung der Verpackungsverordnung. „Bis zum 1. Oktober kann wohl kaum ein bundesweites Rücknahmesystem für Einwegverpackungen eingerichtet werden“, sagte Rost. Der Handel werde nicht Milliardenbeträge investieren, ehe klar sei, welche Verpackungen einem Pflichtpfand unterliegen. Ehe das Gesetzgebungsverfahren nicht abgeschlossen sei, „wird es keine Rücknahme-Automaten geben“, sagte der Holsten-Chef.

Das Zwangspfand lässt den Absatz von Bier in Einwegverpackungen in diesem Jahr um 50 bis 60 Prozent einbrechen, erwartet Rost. Diese Einbußen können durch die leichten Mengensteigerungen bei Mehrwegprodukten nicht kompensiert werden. Der Dosenanteil von Holsten ist seit dem Zwangspfand von 45 auf 25 Prozent gesunken. Einzelne Sorten mussten Einbußen um 70 Prozent hinnehmen. Holsten schickte im Februar und März 650 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Als besonders schwerer Schlag erwies sich die Auslistung aller Dosenbiere bei Aldi. Die Entscheidung von Deutschlands führendem Discounter bei Einweg auf die PET-Flasche zu setzen, hat Holsten aktiv werden lassen. Im Werk Braunschweig wurden sieben Millionen Euro in eine Anlage investiert, die aus PET-Rohlingen 0,5-Liter-Bierflaschen bläst. Die Kapazität ist auf 500000 Hektoliter pro Jahr ausgelegt. Ab August sollen hier die Marken Holsten Pilsener, Lübzer, Feldschlösschen und König abgefüllt werden.

Dank der stabilen Erträge steht die Hansa Brunnen AG für Rust nicht mehr zum Verkauf. Unter ihrem Dach hat Holsten das gesamte Geschäft mit alkoholfreien Getränken einschließlich gebündelt. Nach dem Erwerb von 80 Prozent der Landskron Brauerei in Görlitz Anfang des Jahres stehe derzeit keine Akquisition an, sagte Rost. Unverändert strebe die Gruppe einen Marktanteil von 15 Prozent an. Derzeit sind es 9,4 Prozent (2002: 8,5 Prozent). Sie ließen sich in diesem Jahr aber kaum halten, meint Rost.

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