Wirtschaft : Holtzbrinck kauft große Teile von Pin

Berlin - Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck kauft wesentliche Teile des angeschlagenen Briefdienstleisters Pin, darunter die Berliner Tochter. Insgesamt werde das Stuttgarter Unternehmen bei zwölf Gesellschaften einsteigen, sechs von ihnen sollen vollständig übernommen werden, teilte Holtzbrinck am Donnerstag mit. Neben der Berliner Pin Mail AG handelt es sich demnach um die acht Pin-Gesellschaften in Brandenburg, den Freiburger Postdienstleister Arriva sowie die Main-Post Logistik GmbH und die Main-Sortier GmbH in Würzburg. Die Gesellschaften beschäftigen insgesamt rund 2500 feste und freie Mitarbeiter. Zu der Höhe des Kaufpreises machte der Verlag, zu dem unter anderem auch der Tagesspiegel, die „Zeit“ und das „Handelsblatt“ gehören, keine Angaben.

Mit den Verkäufen, die noch vom Kartellamt genehmigt werden müssen, geht ein langwieriger Abwicklungsprozess des angeschlagenen Postdienstleisters Pin in die entscheidende Runde. Ende vergangenen Jahres war die Gruppe in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nachdem Hauptaktionär Axel Springer den Geldhahn zugedreht hatte. Als Begründung nannte der Springer-Konzern damals die Einführung des Post-Mindestlohns zum 1. Januar 2008. Auch die Pin-Minderheitsgesellschafter, darunter der Holtzbrinck-Verlag und die WAZ-Gruppe, sprangen als Finanzierer nicht ein. In Folge dessen musste Pin für knapp die Hälfte seiner mehr als 90 Niederlassungen und für die Luxemburger Holding Insolvenzanträge stellen. Weit mehr als die Hälfte der ursprünglich 11 500 Beschäftigten verlor ihren Job.

Pin-Insolvenzverwalter Bruno Kübler erklärte am Donnerstag, mit Holtzbrinck sei ein „starker Investor mit langem Atem“ für die zwölf Gesellschaften gefunden worden. Zudem werde das Stuttgarter Verlagshaus mit einem Schlag wichtigster Post-Konkurrent im Großraum Berlin und den neuen Ländern. Die Berliner Pin Mail AG mit ihren mehr als 1000 Beschäftigten gilt ohnehin als Perle der Pin-Gruppe. Denn anders als viele ihrer Schwestergesellschaften steht sie wirtschaftlich sehr gut da. Ein Holtzbrinck-Sprecher erklärte, der Verlag wolle mit dem Kauf „Synergien“ zwischen den regionalen Medienhäusern und der Brieflogistik schaffen.

Insolvenzverwalter Kübler zeigte sich am Donnerstag optimistisch, auch für die restlichen rund 25 solventen Gesellschaften mit etwa 1200 Mitarbeitern Käufer zu finden. Auch hier sollen langfristig orientierte Investoren zum Zuge kommen. Derzeit würden noch Verhandlungen für „regionale Lösungen“ geführt, sagte er. ysh

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