Wirtschaft : Holzmann als Tarif-Test (Kommentar)

Rainer Hank

Die Tarifrunde am Bau ist eröffnet. Sie ist viel mehr als ein normaler Lohnkonflikt. Denn jetzt entscheidet sich, ob die Verbände noch Kraft zur Regelung der Arbeitsbedingungen haben. Die Zuspitzung des Konflikts bringt der Fall Holzmann. Die Gewerkschaft hat mit dem Unternehmen einen sogenannten Sanierungstarifvertrag abgeschlossen. In Wirklichkeit ist das ein ganz normaler Haustarif, der Holzmann eine Verlängerung der Arbeitszeit ermöglicht. Das wiederum ist nichts anderers als eine Kürzung der Löhne, teilt man die höhere Stundenzahl durch den konstanten Monatslohn. Dieses Zugeständnis der Arbeitnehmer zur Sicherung der Arbeitsplätze in einer für den Konzern kritischen Situation ist von vielen gelobt worden. Doch ist nicht einzusehen, warum Hochtief nicht Recht sein soll, was Holzmann billig ist. Anders formuliert: Warum soll Holzmann den Lohn als Wettbewerbsfaktor einsetzen dürfen, während den anderen Unternehmen der Branche eine betriebsfremde - und deutlich höhere - Kartellnorm verordnet wird? Die Klage kommt vor allem von den großen Bauunternehmen, weil die Kleinen ohnehin längst den Verband verlassen haben oder den Tarif unterlaufen. Es gibt nur eine Alternative: Entweder sehen sich die Tarifpartner zu einer generellen und unkonditionierten Tariföffnung imstande, oder die Unternehmen verlassen den Verband. Das wäre das definitive Ende des Flächentarifs in einer Branche. IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel ist viel zu klug, als dass er diese Alternative nicht sähe. Gleichwohl fällt er verbal jetzt wieder ins alte Ritual. Doch der Druck der Verhältnisse auf deutschen Baustellen wird Wiesehügel zum Einlenken bewegen.

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