Wirtschaft : Holzmann: Ballast abwerfen

Rolf Obertreis

Schon seit der Beinahepleite Ende 1999 gehört der Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann zur Hälfte den Banken. Allein ein Viertel der Anteile hält die Deutsche Bank. Für die Geldhäuser ist der Bauriese ein Milliardengrab. Und die Verluste könnten sich weiter summieren. Deshalb ziehen die Banken wieder einmal die Reißleine, offenkundig ist die Geduld erschöpft. Die Banker wollen endlich Geld sehen, um ihre Verluste ansatzweise drücken zu können. Doch bei Holzmann gibt es nur Geld, wenn der Baukonzern endlich verkauft wird. Und da Immobilien und Grundstücke wie Ballast einen Verkaufsprozess belasten, ist deren Übernahme durch die Banken nur logisch. Das kostet zwar zunächst eine Stange Geld, dafür rückt ein Verkauf von Holzmann näher. Und Immobilien und Grundstücke können später zu möglicherweise höheren Preisen losgeschlagen werden. Für den einstigen Bauriesen ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg seiner Abwicklung. Genauso wie der Auszug aus der traditionsreichen Zentrale in Frankfurt. Das weiße "H" auf rotem Grund, ein Symbol nicht nur für die Baubranche, sondern auch für die deutsche Nachkriegswirtschaft, wird bleiben. Aber Holzmann selbst hat längst ausgespielt. Nicht wegen der Entwicklung seit 1999, sondern wegen des Größenwahns und wegen katastrophaler Fehler der Vorstände. Und wegen unglaublicher Naivität der Banken. Die haben, allen voran die Deutsche Bank, dem Treiben bei Holzmann über Jahre arglos zugeschaut.

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