• Holzmann deckt Ursachen für Insolvenz auf - Größter Aktionär lehnt Kapitalerhöhung ab - Entscheidung am Sonntag

Wirtschaft : Holzmann deckt Ursachen für Insolvenz auf - Größter Aktionär lehnt Kapitalerhöhung ab - Entscheidung am Sonntag

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Der Vorstand des angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann hatte bis zum Sommer nach Angaben von Vorstandschef Heinrich Binder keine Hinweise auf die jetzt aufgedeckten Schulden von 2,4 Milliarden Mark. Erst damals seien dem Vorstand von einem ehemaligen Mitarbeiter Unterlagen zugespielt worden, die auf gewaltige Risiken vor allem bei der Anfang des Jahres eröffneten Großhalle Köln-Arena und dem City Carrée in Madgeburg hinweisen. Der ehemalige Vorstand habe diese Hinweise zielgerichtet missachtet und "systematisch unterdrückt" und damit die drohenden Verluste verschleiert, sagte Binder am Freitag in Frankfurt. Sollten die Banken sich bei ihrem Treffen am Sonntagabend nicht auf ein Rettungspaket einigen, dann muss Holzmann am Montag das Insolvenzverfahren beantragen und die Arbeit auf allen derzeit rund 1 200 Baustellen einstellen.

Den seit Herbst 1997 aktiven neuen Vorstand trifft nach Ansicht von Binder keinerlei Schuld. Trotz der diversen Gutachten habe man die Risiken nicht erkennen können. Erst durch die Hinweise von außen habe man eine zusätzliche Untersuchung veranlasst, die vor knapp zwei Wochen die zusätzliche Schieflage klar gemacht habe. Dabei wurden mehrere große Löcher entdeckt: 225 Millionen Mark fehlen bei den Direktionen, 1,02 Milliarden Mark im Immobilien-Projektgeschäft, 873 Millionen Mark bei Beteiligungen und 157 Millionen Mark in anderen Geschäftsbereichen.

Holzmann fordert von den Banken die Beseitigung der Überschuldung durch einen Rangrücktritt und damit faktisch den Verzicht auf Forderungen in Höhe von 1,3 Milliarden Mark. Gleichzeitig sollen sie dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung 1,25 Milliarden Mark frisches Geld zuschießen und einen Überbrückungskredit in Höhe von einer Milliarde Mark gewähren. Das Grundkapital von Holzmann wird zuvor von 148,4 Millionen Euro auf 5,7 Millionen Euro herabgesetzt. Mit der Beseitigung der größten Verlustbringer seit 1997 und der nun zu leistenden Sanierung sind nach Ansicht von Binder "wirklich alle wesentlichen Risiken" beseitigt. Allerdings müssen 3 000 der noch 28 000 Arbeitsplätze gestrichen werden, weitere 1800 fallen durch den notwendigen Verkauf von Tochterunternehmen weg. Und die Beschäftigten müssen durch einen Haustarif-Vertrag für den Sanierungszeitraum Einkommenseinbußen akzeptieren. Im laufenden Geschäft gibt es nach Angaben von Binder im In- und im Ausland schwarze Zahlen. "Holzmann hat im letzten Jahr die Wende vollzogen", sagt Binder. Sollten die Banken Holzmann nicht retten, steht nach Angaben des Holzmann-Chefs auch die Existenz von rund 270 Subunternehmen und damit 35 000 bis 40 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die belgische Gevaert als Großaktionär von Holzmann kündigte unterdessen an, dass man sich nicht an einer Kapitalerhöhung beteiligen wolle. Gevaert hält rund 30 Prozent der Anteile an Holzmann.

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