Wirtschaft : Holzmann: Holzmann ist nicht zu retten

Dieter Fockenbrock

Die Rettungsaktion für Philipp Holzmann ist offenbar gescheitert. Während 10 000 Bauarbeiter in Deutschland nun um ihre Zukunft bangen, werden in Frankfurter Finanzkreisen die Messer gewetzt. Wer hat Schuld daran, dass der schwer angeschlagene Bauriese zusammenbricht? Die Deutsche Bank etwa, deren Chef Rolf Breuer sich zu früh aus dem Fenster hängte und die erfolgreiche Rettung hinausposaunte? Oder sind es die anderen Großbanken, die Dresdner, die Hypovereins- und Commerzbank, die mit ihrem beharrlichen Nein zum Sanierungskonzept jegliche Chance auf ein Überleben des Unternehmens zunichte machen?

Das alles erinnert verdächtig an die erste Rettungsaktion vor zwei Jahren, die nach vergleichbarem Muster ablief, letztlich aber durch des Bundeskanzlers Machtwort zu einem (vermeintlich) glücklichen Ende führte. Diesmal gab es keinen Gerhard Schröder, der auf den Tisch schlug. Diesmal mussten sich die Banker zusammenraufen - ohne Moderator. Und das ist gründlich danebengegangen. Kein Wunder: Es drängt sich der Eindruck auf, dass die deutschen Großbanker inzwischen zwei Lager aufgeschlagen haben.

Breuers Deutsche Bank steht auf der einen Seite, die Münchener Hypovereinsbank unter Führung von Albrecht Schmidt auf der anderen Seite - mit wechselnden Allianzen. Schmidt und die anderen Topbanker, so wird in Finanzkreisen kolportiert, hätten sich bei Breuer dafür revanchiert, dass er das Filmimperium des Leo Kirch mit nur einem Satz vor die Wand fahren ließ. Breuers Anmerkung im fernen Amerika, die Kirch-Gruppe sei nicht mehr kreditwürdig, kam nicht gut an. Die Deutsche Bank hat aber das größte Interesse daran, Holzmann über die Runden zu helfen. Schließlich ist das größte deutsche Geldinstitut nicht nur mit Krediten im Geschäft, sondern auch Hauptaktionär des Bauunternehmens.

Die Sanierung scheitert also nur daran, dass sich die Banken nicht grün sind? Wäre es so, wäre das ein Riesenskandal. Doch Holzmann ist nicht wirklich zu retten. Das war allen schon vor zwei Jahren klar. Der eigentliche Skandal ist, dass sich niemand traute, das den Männern auf den Baustellen offen zu sagen.

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