Wirtschaft : Holzmann: "Jetzt sind wir bei den Großen angekommen"

Herr Wiesehügel[Holzmann ist insolvent. Wie]

Herr Wiesehügel, Holzmann ist insolvent. Wie stabil ist die Bauwirtschaft insgesamt?

Ich fürchte, dass sie weiter herunter geht.

Weil die Großen die Kleinen mit Niedrigpreisen aus dem Markt drängen?

In Deutschland gibt es keine Großunternehmen mehr. Wenn man zählt, wie viele Beschäftigte die Konzerne tatsächlich noch auf dem deutschen Bau haben, dann sind das bestenfalls mittelständische Dimensionen.

Die aber reichen, um die wirklichen Mittelständler aus dem Markt zu konkurrieren.

Das war in den vergangenen Jahren so, aber das ist jetzt nicht mehr das Hauptproblem. Um die mittleren und kleinen Unternehmen mache ich mir die wenigsten Sorgen. Die haben einen enormen Anpassungsprozess hinter sich gebracht. Wer da noch auf dem Markt ist, ist in der Regel solide und innovativ. Der wird es wahrscheinlich schaffen. Jetzt sind wir bei den Großen angekommen.

Bilfinger und Berger, Hochtief, Dywidag?

Ich nenne keine Namen. Aber es reicht ein Blick in die Bilanzen um zu sehen, dass die Konzerne allesamt nicht gut dastehen.

Rechnen Sie mit Insolvenzen vor der Wahl?

Ich sorge mich um die Arbeitsplätze und um die Unternehmen und nicht um eine Bundestagswahl. Ich fürchte, dass es einen weiteren Stellenabbau geben wird.

Muss die Bundesregierung helfen?

Nichts, was wir jetzt anfangen würden, wirkt vor den Wahlen, wenn es seriös gemacht ist. Aber klar ist, dass die Bundesregierung für den Bau etwas tun muss.

Was?

Wir müssen weiter darüber reden, wie wir Schwarzarbeit und Dumpingkonkurrenz aus dem Markt bekommen. Da haben wir einen guten Anfang gemacht, indem wir die Kontrolle deutlich verbessern. Aber wir müssen auch darüber reden, wie wir dafür sorgen, dass die öffentlichen Aufträge kommen. Und ich bin dafür, dass wir wieder ein richtiges Bauministerium bekommen. Die Zusammenlegung mit dem Verkehrsministerium hat der Bauwirtschaft nichts gebracht.

Warum helfen Sie den Unternehmen nicht mit einer moderaten Tarifrunde?

Weil das überhaupt nichts bringt. Überall da, wo wir auf Lohn verzichtet haben, haben die Unternehmen das genutzt, um am Markt zu Dumpingpreisen zu konkurrieren. Kein einziger Arbeitsplatz ist durch Lohnverzicht gesichert worden. Im Gegenteil: Wir haben auf dem Bau seit 1991 dieselben Preise. Was glauben Sie, wer das bezahlt hat?

Sie hätten noch weniger Jobs, wenn Sie nicht verzichtet hätten.

Nein. Seit 1995 sind eine halbe Million Arbeitsplätze auf dem Bau verschwunden. Bezahlt haben die Arbeitnehmer dafür doppelt: Indem sie auf Lohn verzichtet haben und indem sie mehr gearbeitet haben. Dafür stehen wir nicht mehr zur Verfügung. Aber ich bin der Erste, der Ja sagt, wenn einer mit einem vernünftigen Vorschlag kommt.

Ein Bündnis für Arbeit auf dem Bau?

Das haben wir schon. Und es wird Zeit, dass wir uns wieder treffen.

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