Wirtschaft : Holzmann: Konkurrenz filetiert Baukonzern

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Beim Baukonzern Holzmann hat am Freitag der Insolvenzverwalter die Führung übernommen. Der Betriebsrat bat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erneut um Hilfe. Doch es besteht kaum Hoffnung, dass das Unternehmen in der bisherigen Form weitergeführt werden kann. Während die ersten Bauverträge gekündigt wurden, bekunden die Konkurrenten wie Bilfinger und Berger und Hochtief Interesse an Holzmann-Töchtern.

Die Beschäftigten des Holzmann-Konzerns müssen sich um ihre Löhne und Gehälter einstweilen nicht sorgen. Das Arbeitsamt übernehme sie für drei Monate, teilte am Freitag der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Willi Röll, mit. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Otmar Hermann, versicherte den Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung am Freitagmorgen in Neu-Isenburg, er werde sich vorrangig um die Auszahlung der Löhne kümmern.

Parallel scheint er sich um einen Kredit der Banken an die Insolvenzmasse zu bemühen, um den Betrieb auf den Baustellen möglichst störungsfrei fortzuführen. Damit könnte, anders als 1999, als Holzmann seinen Insolvenzantrag wieder zurückzog, nun das neue Insolvenzrecht auf seine Ziele hin getestet werden. Es verpflichtet den Insolvenzverwalter, alle Chancen zur Fortführung des Unternehmens zu nutzen, auch im Interesse der Belegschaft. Das frühere Konkursrecht dagegen hatte den Schwerpunkt auf die Interessen der Gläubiger gelegt.

Doch hat die Insolvenz schon zu schweren Störungen des Betriebs geführt. Holzmann sind die ersten Aufträge gekündigt worden. Und das betrifft offenbar nicht nur die Großbaustellen, die Holzmann mit anderen Baugesellschaften in Arbeitsgemeinschaften betreibt. Dass mit der Insolvenz vertraglich ein Kündigungsrecht für andere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaften bestehe, hatte Finanzvorstand Johannes Ohlinger schon am Donnerstag mitgeteilt.

Thüringens Finanzminister Andreas Trautvetter kündigte Holzmann den Vertrag für den fast fertigen Neubau des Landtages. Und von der Baustelle des Leipziger Zentralstadions holten nach Agenturberichten mehrere Subunternehmen Gerät und Material ab. Holzmann hatte die Federführung beim Umbau des Stadions.

Ob es angesichts dieser Lage dabei bleiben kann, dass nur für die Philipp Holzmann AG Insolvenzantrag gestellt wurde, ist zur Zeit allerdings zweifelhaft. Denn die AG, nun also der Insolvenzverwalter, entscheidet über den Konzerninternen Geldfluss. Und wenn der stockt, könnten auch Tochtergesellschaften bald zahlungsunfähig werden.

Unterdessen bemühen sich Konkurrenten Holzmanns um die verbliebenen attraktiven Konzernteile. So bestätigte der Mannheimer Baukonzern Bilfinger und Berger, dass er am Auslandsgeschäft des Frankfurter Traditionsunternehmens interessiert sei. Das dürfte vor allem das Geschäft in Amerika betreffen, denn dort hat der Mannheimer Baukonzern schon lange versucht, sich weiter zu verstärken.

Holzmann hatte in Amerika fast die Hälfte seiner Bauleistung erbracht. Die Arbeitsplätze bei der amerikanischen Jones und der Ingenieursgesellschaft Lockwood Green dürften also weitgehend gesichert sein. Auch die 1800 Stellen der erfolgreichen Gebäudeservicegesellschaft HSG, die in den Verhandlungen der Gläubigerbanken eine große Rolle gespielt hatte, sind wohl nicht gefährdet. Bilfinger und Berger hatte auch an dieser Gesellschaft Interesse bekundet.

Hochtief will Teile von Holzmann

Der Kölner Straßenbauer Strabag AG hat konkretes Interesse an der Deutsche Asphalt AG, bestätigte ein Strabag-Sprecher. Auch das Essener Bauunternehmen Hochtief schließt derzeit nicht aus, Teile von Holzmann zu übernehmen. Ob mit der Insolvenz nun auch die Verkaufspreise für die Holzmann-Sparten unter Druck geraten könnten, dazu wollen sich die Beteiligten noch nicht äußern. Mit einer schnellen Abwicklung der Insolvenz wäre vor allem den 11 000 Arbeitnehmern im Inland gedient. Ihre Stellen sind am meisten gefährdet.

Gesamtbetriebsrat Röll kündigte Aktionen der Holzmänner vor Bahnhöfen, Flughäfen, Gerichten und Börsen an. "Sie wissen ja, wir Menschen vom Bau haben Mut, Phantasie und Kraft", sagte er. "Wir kämpfen für unsere Zukunft."

Röll schrieb gestern zudem ein Fax an den Bundeskanzler und erinnerte ihn an "die von Ihnen geschmiedete Vereinbarung" des Jahres 1999. Diese hätten einige Banken aufgekündigt. Schröder möge "diese Einigkeit wieder herstellen".

Auch die Handwerker und Zulieferbetriebe von Holzmann bräuchten Hilfe, sagte Dieter Philipp, der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. "Es müssen Überbrückungszahlungen her", sagte er. Doch das Bundeswirtschaftsministerium lehnte Sonderhilfen des Bundes ab. Minister Müller verwies auf die "bewährten Hilfen", also Liquiditätshilfekredite und Betriebsmitteldarlehen zu günstigen Konditionen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der ebenfalls bundeseigenen Deutschen Ausgleichsbank.

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