Wirtschaft : Holzmann schafft Wende

1998 wieder schwarze Zahlen / Mayer geht zum Jahresende

Frankfurt (Main) (ro).Lothar Mayer, Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Baukonzerns Philipp Holzmann, zieht die verspätete Konsequenz aus der vor einem Jahr aufgedeckten dramatischen Schieflage des Unternehmens.Zum Jahresende wird er seinen Job nach fünf Jahren niederlegen.Mayer räumte auf der Bilanzpressekonferenz gravierende Managementfehler ein, Risiken seien unterschätzt, Kalkulationen zu knapp gewesen und bei der Auftragsabwicklung seien Fehler gemacht worden.Mayer betonte aber auch, man habe 1996 mit einem "bilanziellen Kraftakt" die Basis für die Wiedergewinnung der wirtschaftlichen Stärke gelegt.Die Trendwende sei geschafft, Belastungen in Höhe von 1 Mrd.DM seien verarbeitet worden.1998 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Die Belastungen glich Holzmann unter anderem durch den Verkauf von 4000 Wohnungen und die Abgabe des Fertighausgeschäftes von Zenker sowie des Gleisbaus aus.Daneben wurden Vorräte und noch nicht abgerechnete Aufträge höher bewertet.Unter dem Strich erreichte Holzmann dadurch 1996 im Konzern ein ganz leicht positives Ergebnis.Im eigentlichen Geschäft allerdings gab es Verluste von 300 Mill.DM.Die roten Zahlen fielen nur im Inland an, im Ausland sei das Ergebnis bis auf die Tochter in Thailand gut, in den USA sogar sehr gut, betont Finanzchef Rainer Klee. Im laufenden Jahr will Mayer weitere Schwachstellen ausmerzen und durch den Verkauf von fertiggestellten Projekten im Volumen von einer 1 Mrd.DM Geld in die Kasse bekommen.Die Neustrukturierung des Konzerns soll bis zum Jahresende abgeschlossen werden.Vor allem mit Blick auf das internationale Geschäft setzt Mayer auf die Kooperation mit Hochtief.Eine Zustimmung der Kartellbehörden in Brüssel zu der von den Holzmann-Großaktionären Deutsche Bank und Hochtief vereinbarten Pool-Lösung erwartet Mayer bis Herbst.Gemeinsame Firmen hält Mayer allenfalls mit Blick auf einzelne Länder oder Regionen für sinnvoll, etwa in Lateinamerika, in China und in Südostasien.Die Kooperation werde auch zu mehr Aufträgen führen und damit Arbeitsplätze sichern.Holzmann selbst hat allerdings 1996 im Inland rund 1300 Stellen gestrichen, im Ausland kamen 5100 dazu.Insgesamt beschäftigte man Ende Dezember knapp 51 600 Mitarbeiter, davon 22 700 im Inland.In Deutschland werden 1997 weitere 2000 Stellen wegfallen.

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