Wirtschaft : Holzmann verliert mehr als erwartet

FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Baukonzern Philipp Holzmann ist 1997 mit 1,52 Mrd.DM in die roten Zahlen gerutscht.Nur durch den Verkauf von Grundstücken, Steinbrüchen und anderen außerordentlichen Erträgen kann der Verlust auf 768 Mill.DM gedrückt werden.Weil der Verlust durch Rücklagen ausgeglichen wird, sackt die Eigenkapitalquote auf sieben Prozent ab.Eine Kapitalerhöhung um 200 Mill.DM und eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 500 Mill.DM soll Holzmann aus den größten Schwierigkeiten helfen.Die zehn beteiligten Großbanken haben dem Konzept nach Angaben von Vorstandschef Heinrich Binder bereits zugestimmt.Auch die bestehenden Kreditlinien wurden verlängert.

Damit hat Holzmann in nur drei Jahren Verluste von fast zwei Mrd.DM eingefahren.Die Entlastung des alten Vorstandes, der 1997 komplett ausgewechselt worden war, auf der Hauptversammlung am 24.August soll deshalb verschoben werden."Es geht nicht um eine Nicht-Entlastung", betont Binder."Aber wir müssen die Vergangenheit in Ruhe aufarbeiten".Dies sei "reine Routine", dem alten Vorstand drohten keine rechtlichen Schritten.Allerdings wirft Binder den alten Managern vor, "nicht sauber" gearbeitet zu haben.Der Aufsichtsrat sollte aber sofort entlastet werden, obwohl das Gremium, allen voran die Banken, die alte Holzmann-Spitze über Jahre gewähren ließen.

Im Februar hatte der Vorstandschef noch von einem Verlust von 800 Mill.DM gesprochen, der mit dem Rückgriff auf die Substanz des Unternehmens ausgeglichen werde.Aber beim Abbau des Projektgeschäftes, das den größten deutschen Baukonzern 1995 in eine Existenzkrise gestürzt hat, haben sich in den letzten Monaten weitere Löcher aufgetan, so daß neue Rückstellungen in Höhe von 700 Mill.DM notwendig werden.Damit hofft Binder, die Altlasten aus der "zu starken" Expansion unter dem alten Vorstand getilgt zu haben.Bis zum Jahr 2000 soll der Ausstieg aus dem Projektgeschäft endgültig abgehakt werden.Noch sitzt Holzmann nach Angaben von Finanzchef Rainer Klee auf Vorhaben mit einem Volumen von 2,3 bis 2,4 Mrd.DM.In diesem Jahr will Holzmann noch Projekte im Wert von 700 Mill.DM abstoßen.

Auch andere Verlustbringer will das Unternehmen bis Ende 1998 in den Griff bekommen.In Thailand verlor Holzmann 1997 rund 240 Mill.DM, in Frankreich 120 Mill.DM und in Berlin 100 Mill.DM.Insgesamt erwirtschaftete Holzmann im Baugeschäft im vergangenen Jahr einen Verlust von 300 Mill.DM bei einer Bauleistung von 14,4 Mrd.DM, 1,6 Prozent mehr als 1996.Allerdings konnte der Konzern das Geschäft in den USA um über ein Drittel steigern.Der gesamte Auftragsbestand und die Auftragsreserven gingen aber um 13 und um 29 Prozent zurück.Wegen der in der Geschichte von Holzmann beispiellosen Krise verloren 1997 weltweit 13 300 Mitarbeiter ihren Job.Am Jahresende beschäftigte der Baukonzern noch 38 600 Mitarbeiter.In diesem Jahr fallen nach Angaben von Binder erneut 3100 Stellen weg.Der Vorstandschef hofft aber, die Sanierung bis zum Jahresende abschließen und ein "leicht positives" Ergebnis vorlegen zu können."Wir können uns keine weiteren Verluste erlauben, dies ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit", betont Binder.In den ersten fünf Monaten sei der Auftragsbestand um 14 Prozent auf 4,9 Mrd.DM gestiegen, allein in den USA habe es ein Plus von 57 Prozent gegeben.Die Bauleistung kletterte um sechs Prozent auf 4,7 Mrd.DM.Der Auftragsbestand war mit 13,6 Mrd.DM allerdings um neun Prozent niedriger als vor Jahresfrist.

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