Wirtschaft : Homebanking soll sicherer werden

Neuer Standard HBCI für Bankgeschäfte am Computer / PIN-Nummern werden abgeschafft

FRANKFURT (MAIN) (ro).Von Anfang 1998 an sollen Bankgeschäfte von zu Hause aus sicherer und einfacher werden.Banken und Sparkassen haben eine neue Software für die Datenübertragung und die Datensicherheit entwickelt ­ das "Homebanking Computer Interface" (HBCI).Mit dem neuen Verfahren wird das Homebanking in Zukunft, wie der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) am Donnerstag in Frankfurt betonte, nicht nur über T-Online, sondern auch über das Internet und damit über viele andere Anbieter möglich.Auf Grundlage von HBCI können künftig Bankgeschäft auch über den Fernseher abgewickelt werden, sofern er mit eine Set-Top-Box ausgestattet ist. Obwohl Bankgeschäfte per Computer bereits seit zehn Jahren möglich sind, obwohl mittlerweile neben der Telekom (über T-Online) auch Online-Anbieter wie Compuserve und AOL am Markt sind und obwohl Bankgeschäfte ­ abgesehen von Telefon- und Onlinekosten ­ per PC deutlich günstiger sind als am Bankschalter, werden bisher erst gerade mal vier Prozent aller 64 Millionen privaten Konten in Deutschland per Elektronik und Computer geführt.Als Grund für die Zurückhaltung gelten Zweifel an der Sicherheit und das bisher im wesentlichen auf Konto-Standabfrage, Umsätze und Überweisungen beschränkte Angebot. So berichtete die Computer-Zeitschrift "PC-Praxis/PC-Intern" am Donnerstag von neuen Sicherheitsmängeln in den drei gängigsten Homebanking-Anwendungen.Nach Recherchen des Blattes ist es versierten Haêkern bei dem Homebanking-Modul von T-Online und den Programmen "Quicken" von Intuit und "Microsoft-Money" mit einigem Aufwand möglich, den Passwort-Schutz zu knacken und Zugriff zu privaten Daten zu erhalten.Da dies teilweise auch über Netzwerke geschehen könne, sollten Anwender keinesfalls die zum Online-Banking notwendigen Geheimnummern auf ihren Rechnern abspeichern, riet die Zeitschrift.Die Hersteller der betroffenen Programme bestätigten die Möglichkeit des Passwortdiebstahls, betonten aber, daß Hacker mit dem Passwort allein keine Transaktionen auf Fremdkonten beginnen könnten. HBCI soll jetzt mehr Bankkunden für die Elektronik begeistern und damit den Geldhäusern das Privatkundengeschäft vereinfachen und letztlich auch verbilligen.Die Persönliche Geheimnummer (PIN), die bislang nötig war, um elektronischen Zugang zu seinem Konto zu erhalten, soll künftig ebenso wegfallen wie die TAN (Transaktionsnummern), die bei jeder Überweisung zusätzlich angegeben werden mußten.Als Identifizierung und Sicherheit sollen die Bankkunden ihren eigenen Schlüssel erstellen und das, wie der BdB betont, mittels "modernster Verschlüsselungs- und Signierverfahren".Dabei erzeugt der Kunde ein Schlüsselpaar, von dem der geheime Schlüssel bei ihm bleibt und der zweite an die Bank übermittelt wird.Tritt der Kunde per PC oder Fernseher mit seiner Bank in Kontakt, dann muß er jeden Auftrag mit seinem privaten Schlüssel "unterschreiben".Dies gilt nach dem heutigen Erkenntnisstand als absolut sicher und bietet keinen Ansatz zur Manipulation", betont Manfred Maurer vom Bankenverband.Die Daten-Übermittlung an die Bank wird so verschlüsselt und quasi unleserlich gemacht, daß kein Dritter damit etwas anfangen könne.Die elektronische Unterschrift soll beweisen, daß der Auftrag auf dem Übertragungsweg nicht verändert wurde, nicht von Unbefugten eingesehen werden konnte und daß der Kunde eindeutig der Absender ist.Die Verantwortung für die Folgen, falls der private Schlüssel in falsche Hände gerät, trägt der Kunde.Hier ende die Möglichkeit der Banken und Sparkassen, Mißbrauch zu verhindern, betont Maurer.Die Branche ihrerseits garaniert, daß die flächendeckende Anwendung von HBCI die Homebankingangebote aller Institute gleich sicher macht.HBCI ermöglicht es dem Bankkunden auch, mehr Dienstleistungen ausführen zu können als bisher ­ vor allem mit Blick auf das Wertpapiergeschäft.Damit eröffnen sich für Banken und Sparkassen neue Geschäftsmöglichkeiten.Ganz kostenlos ist das neue System für die Bankkunden nicht.Um es nutzen zu können, brauchen sie eine neue Software.Die wird entweder von Banken und Sparkassen bereitgestellt oder muß in Fachgeschäften gekauft werden. Nach Ansicht des Bankenverbandes kommt dem neuen Standard HBCI auch mit Blick auf den Euro eine wichtige Bedeutung zu.Weil HBCI international ausgerichtet ist, könne man Bankgeschäfte auch im neuen Währungsraum einfach und schnell mit jedem Geldhaus abwickeln.Zwar hatten sich Privat- und Volksbanken sowie Sparkassen verpflichtet, HBCI bereits ab 1.Oktober in ihre Systeme zu integrieren.Allerdings gibt es noch technische Probleme, so daß frühestens ab Ende des Jahres die ersten Geldhäuser mit der Umstellung beginnen können.

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