Wirtschaft : Honeywell und GE: Die Fusion ist gescheitert

rut/tor/coh

Eine der größten Fusionen der Wirtschaftsgeschichte ist aller Voraussicht nach am Einspruch der EU-Kartellwächter gescheitert. Der US-Mischkonzern General Electric (GE) gibt die 41 Milliarden Dollar teure Übernahme von Honeywell auf. Die Unternehmen wollten ihren Fusionsvertrag lösen und den bei der EU-Wettbewerbsbehörde gestellten Genehmigungsantrag bis Dienstagmorgen zurückziehen, hieß es in Brüsseler Industriekreisen. GE und Honeywell lehnten eine Stellungnahme ab. Beide Unternehmen verhandeln seit dem Wochenende über ihre weitere Vorgehensweise. Während GE die Übernahme schon zu den Akten gelegt hat, klammert sich Honeywell an den weitaus stärkeren Partner.

Mit einem Rückzug ihres Vorhabens kommen die US-Konzerne dem drohenden Verbot des Zusammenschlusses durch die EU zuvor. GE sei nicht daran interessiert, dass EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti die Fusion wie geplant am heutigen Dienstag offiziell untersage, hieß es in den Kreisen. Dann würde die Analyse der EU über die Flugzeug-Zulieferermärkte bekannt. Darin kommt Monti offenbar zu dem Schluss, dass GE den Markt für Triebwerke schon heute teilweise dominiert. Diese Analyse könnte spätere GE-Akquisitionen behindern. Für den US-Mischkonzern Honeywell International ist das Scheitern der Übernahme durch General Electric ein Desaster. Jedoch muss das Unternehmen vermutlich nicht lange auf einen neuen Partner warten. Mit dem Flugzeugzulieferer United Technologies (UTC) steht bereits ein Interessent bereit, der nur auf seine Chance wartet. "Sollte der Deal zwischen GE und Honeywell scheitern - wir stehen bereit", hatte UTC-Chef George David in den letzten Wochen immer wieder bekräftigt. UTC hatte Honeywell schon im letzten Jahr umworben und war sogar handelseinig geworden, wurde dann aber von GE überboten.

Ein Zusammengehen von UTC und Honeywell benötigt ebenfalls den Segen der Kartellwächter. Da die beiden Unternehmen starke Positionen im Flugzeugzulieferbereich inne haben, dürften die Wettbewerbshüter auch in diesem Fall den Verkauf von Betriebsteilen fordern. Anders als GE verfügt UTC aber nicht über eine starke Stellung auf dem Markt für Flugzeug-Leasing, was eine Genehmigung erleichtern würde. Bevor es so weit wäre, müssen GE und Honeywell ihre Verbindungen kappen. Reibungslos wird das nicht geschehen. Anwälte auf beiden Seiten bereiten sich auf eine Auseinandersetzung vor. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat Honeywell den Staranwalt David Boies verpflichtet, der schon die US-Regierung im Kartellverfahren gegen Microsoft vertreten hat. Das letzte Wort könnte somit ein Richter sprechen.

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