Wirtschaft : Horst Hillig

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Ein gelungener Sprung in die Marktwirtschaftmot

"Man wird gewählt, ist plötzlich Geschäftsführer, und dann geht die Arbeit los." Als Horst Hillig vor genau sieben Jahren ­ am 1.Juni 1990 ­ von den Beschäftigten und der Betriebsleitung des Volkseigenen Betriebs VEB Mechanisierung zum Chef gewählt wird, steht der ehemalige Produktionsleiter "quasi über Nacht" vor der Aufgabe, die unrentable Produktion von Brötchenzählmaschinen, Holzkohlegrills und Kinderfahrrädern für die Marktwirtschaft fit zu machen.Das Maschinenbau-Unternehmen in Berlin-Friedrichshagen zählt 650 Beschäftigte und fünf Außenstellen.Die Produktpalette ist veraltet, der Maschinenpark ebenso."Bei den anderen nachlesen und nachmachen ­ das funktionierte nicht", erinnert sich Hillig.Pionierarbeit war gefragt.In drei Monaten gelingt es ihm, die Filialen als selbständige GmbHs auszugliedern.Es verbleibt die Zentrale mit einem Personalbestand von 300 Mitarbeitern, den Hillig bis auf 55 Mitarbeiter reduziert."Eine schmerzhafte Sache", wie er einräumt.Bei vielen habe der Weg aber in den Vorruhestand oder die Umschulung geführt.Nach mehreren Privatisierungsanläufen ­ darunter der vergebliche Versuch eines indischen Unternehmens, sich die Immobilie unter den Nagel zu reißen ­ übernimmt Hillig schließlich im Management-buy-out die Firma, die fortan Friedrichshagener Maschinenbau und Fördertechnik GmbH (FMF) heißt.Seit dem 1.Januar 1994 trägt er als Gesellschafter das Risiko allein. Inzwischen hat sich der Stahl- und Maschinenbauer einen Platz am Markt gesichert.Der Maschinenpark ist nahezu komplett ausgetauscht, Millionen sind investiert worden.1996 sollten eigentlich schwarze Zahlen geschrieben werden, aber ein großer Auftraggeber zahlte nicht wie vereinbart und machte der FMF vorerst einen Strich durch die Rechnung.Produziert werden heute Balkone und Bahnhofsausstattungen, Wartehäuschen, Werbevitrinen und Litfaßsäulen, die Kunden sitzen vor allem im Westen der Republik.Größter Auftrag bislang: Für die Deutsche Bahn übernahm FMF den gesamten Stahlbau für den Intercity-Bahnhof in Potsdam im Wert von 2,7 Mill.DM. Horst Hillig, 1940 in Chemnitz geboren, hat den Sprung in die Marktwirtschaft geschafft.Der Weg führte über eine typische DDR-Karriereleiter: Nach dem Maschinenbau-Studium vom Ingenieur zum Direktor der Produktion in der örtlichen Maschinenfabrik, 1987 der Wechsel nach Berlin zum VEB Mechanisierung, bis zur Wende dort Produktionsdirektor.Heute engagiert sich Hillig in den Gremien der Privatwirtschaft.Er ist Mitglied der IHK-Vollversammlung, sitzt im Mittelstandsausschuß des Deutschen Industrie- und Handelstages und wirkt in diversen Vereinen mit.Für das Privatleben bleibt kaum Zeit.Jede freie Minute, so Hillig, gehöre der Gartenarbeit.

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