Wirtschaft : Horst Köhler - ein Mann mit internationaler Reputation

Karin Birk

Horst Köhler gehört zu den ganz wenigen Deutschen, die die erforderliche internationale Reputation für das Amt des Chefs des Internationalen Währungsfonds haben. Da scheint Bundeskanzler Gerhard Schröder auch das CDU-Parteibuch Köhlers nicht zu stören. Ganz im Gegenteil. Köhler hat als Staatssekretär im Finanzministerium (1990-1993) und als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (1993-1998) seine Kompetenz bei währungs- und finanzpolitischen Fragen bewiesen. Auch auf internationalem Parkett hat Köhler in den vergangenen zwei Jahren als Präsident der Osteuropa-Bank Führungsstärke gezeigt. Dem 57-Jährigen ist gelungen, die Bank, die unter seinen Vorgängern nicht den besten Ruf genoss, wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Und dies, obwohl kurz nach seinem Amtsantritt die Russlandkrise die Bank und auch ihn selbst in hohem Maße beanspruchte.

In die Bresche gesprungen war Köhler auch schon im Januar 1998, als Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl den damaligen Sparkassen-Präsidenten gebeten hatte, als Sonderbeauftragter der Bundesregierung nach Indonesien zu reisen. Dort sollte er ausloten, wie Deutschland dem Inselstaat Indonesien in der Finanzkriste unter die Arme greifen könnte.

Kohl wusste, wen er fragte. Denn über Jahre hatte Köhler als sogenannter "Sherpa" Kohls verschiedene Weltwirtschaftsgipfel wesentlich mitgestaltet. So trägt nicht zuletzt auch der Vertrag von Maastricht die Handschrift Köhlers. Köhler zählt schon lange zu den Verfechtern des Euro. Gleichwohl hat er immer darauf hingewiesen, dass eine gemeinsame europäische Währung nicht möglich sei, wenn die Länder in Europa bei der Bekämpfung der Inflation und der Haushaltsdefizite nicht an einem Strang zögen. Auch bei den Verhandlungen zur deutsch-deutschen Währungsunion war Köhler als damaliger Leiter der Abteilung Geld und Kredit im Bundesfinanzministerium maßgeblich beteiligt.

Nach einer so langen Zeit im Bundesfinanzministerium zeigte sich die Öffentlichkeit überrascht, als Köhler 1992 seinen Wechsel ins Sparkassenlager ankündigte. Er machte damals vor allem familiäre Gründe geltend. Köhler, der selbst aus einer großen Familie stammt und in Süddeutschland aufgewachsen ist, wollte für seine Frau und seine zwei Söhne wieder etwas mehr Zeit haben. Aber auch die neue Aufgabe nahm Köhler nicht leicht. Gerade in der Auseinandersetzung mit den Privatbanken über die Frage der Existenzberechtigung öffentlich-rechtlicher Kreditinstitute machte er sich in Brüssel für die Sparkassen stark. Als Köhler dann 1998 zum Präsidenten für die Osteuropa-Bank gewählt wurde, hielten Beobachter dies schon damals als Schritt auf dem Weg an die Spitze des IWF.

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