Wirtschaft : Hotelliers freuen sich über steigende Preise

Auch Lebensmittelhandel profitiert von der WM

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Berlin – Die deutschen Hotels und der Einzelhandel haben von der Fußball-WM profitiert. Obwohl die Zimmerauslastung im WM-Juni zurückging, stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung im gesamten ersten Halbjahr um 2,8 Prozentpunkte, sagte der Vorsitzende des Hotelverbandes Deutschland, Fritz G. Dreesen, am Montag in Berlin. Aus Hotellierssicht besonders erfreulich sei der Anstieg der Zimmerpreise um durchschnittlich 9,1 Prozent gewesen.

Auch für Berlin fällt die Bilanz positiv aus. So stieg die durchschnittliche Auslastung der Hotels im ersten Halbjahr 2006 gegenüber der entsprechenden Vorjahreszeit von 60,9 Prozent auf 63,8 Prozent, der Zimmerpreis erhöhte sich um 11,8 Prozent auf 97 Euro. Damit liegt Berlin bei den Preisen hinter Frankfurt am Main (119 Euro), Hamburg (103 Euro) und München (105 Euro). Die moderaten Preise erklärt der Sprecher des Verbandes, Hartwig Bohne, damit, dass die Zahl der Hotelbetten in der Stadt enorm zugenommen habe.

Für den Juni sieht die Bilanz nicht ganz so gut aus. Die Zimmerauslastung sank im WM-Monat um bundesweit 2,7 Prozent. „Die vielen ausländischen Gäste konnten den Einbruch bei Geschäftsreisen und Tagungen nicht wettmachen“, sagte Dreesen. Besonders Hotels in den WM-Städten Berlin und München wurden von Gästen gemieden: Die Auslastung sank im Juni um gut elf Prozent in Berlin und um mehr als 14 Prozent in München. Wettgemacht wurde dieser Rückgang durch deutliche Preiserhöhungen. Bundesweit musste der Gast im Juni fast 42 Prozent mehr für ein Zimmer bezahlen als noch im Mai. Allerdings seien die Preise mit durchschnittlich 113 Euro nicht weit vom europäischen Ganzjahresdurchschnitt von 113 Euro entfernt, sagte Bohne. In Berlin habe sich sicherlich auch ausgewirkt, dass die Fifa erst kurz vor Beginn der WM ein großes Zimmerkontingent zurückgegeben habe.

„Die Branche hofft nun, dass sich dieser WM-Schwung möglichst nachhaltig in einen dauerhaften Standortvorteil umsetzen lässt“, erklärte Hotelverbands-Chef Fritz Dreesen. Bohne sagte, die Hotels wollten die Preise nach Möglichkeit dauerhaft hoch halten.

Auch der deutsche Einzelhandel hat erwartungsgemäß von der Fußball-WM profitiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verkaufte die Branche im Juni zwei Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. Preisbereinigt lag das Umsatzplus bei 1,9 Prozent. Das machte sich vor allem im Lebensmitteleinzelhandel bemerkbar, der 1,1 Prozent (preisbereinigt: 0,5 Prozent) mehr umsetzte als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt dürfe man den WM-Effekt aber nicht überbewerten, sagte Rolf Bürkl von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung dem Tagesspiegel. Auch das heiße Wetter habe den Absatz von Bier und Wasser zusätzlich stimuliert.

Der Branchenverband HDE hatte nach früheren Angaben mit einem Zusatzumsatz von zwei Milliarden Euro durch die WM gerechnet. Gestern sprach der HDE sprach von einem zufrieden stellenden Ergebnis, da der Juni in diesem Jahr immerhin einen Verkaufstag weniger hatte. „Die große Hitze war zwar nicht gut für den Einzelhandel, doch ohne die WM wäre es noch viel schlimmer gekommen“, sagte ein Sprecher.dr/pet

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