Wirtschaft : Houston Industries hat Erfahrung auf freiem Gas-Markt

ROBERT RIMSCHA

Gasag-Bewerber mußte im Süden der USA die Preise senken / Drittgrößer Gaskonzern der Vereinigten StaatenVON ROBERT VON RIMSCHA

WASHINGTON.Für Houston Industries Inc.(HI) aus Texas wäre der Einstieg bei der Gasag das erste Engagement in Deutschland.Houston Industries ist die Konzernmutter eines der größten US-Stromversorgers, Houston Lighting & Power (HL&P).HL&P ist gemessen nach Kilowattstunden Amerikas zehntgrößter Stromkonzern und versorgt 3,7 Millionen Kunden im Süden der USA. Die Tochter Houston Industries Energy Corp.ist für das internationale Engagement, Akquisitionen und Privatisierungen zuständig.Was das Interesse an der Gasag angeht, gibt man sich in Houston noch verschlossen."Wir haben uns Berlin in der Tat sehr genau angeschaut", sagte Pressesprecherin Sandy Fruhman am Donnerstag."Und wir sind weiterhin sehr interessiert." Über den Stand der Verhandlungen, Auswirkungen für Stellen oder Investitionen wollte man nichts verlauten lassen.HI ist vor allem in Südamerika präsent.3,5 Millionen Brasilianer und Kolumbianer beziehen ihren Strom von Versorgern, an denen HI Anteile hält.Der Strommarkt in Rio de Janeiro beispielsweise gehört zu 11 Prozent dem Unternehmen aus Houston.In Indien, Pakistan und der Türkei hat sich HI in Firmen eingekauft; etliche Kraftwerks-Neubauten sind geplant.Durch den Kauf von NorAm Energy Corp., ebenfalls in Houston beheimatet, im August 1997 ist der Erdgas-Bereich bei HI erheblich ausgeweitet worden - er ist jetzt der drittgrößte auf dem US-Markt.HI-Vorstandschef Don Jordan, der seit 35 Jahren im Unternehmen und seit fast 20 Jahren an der Konzernspitze ist, konnte sich über 3,6 Millionen neue Kunden in sechs US-Bundesstaaten und 20 000 Kilometer Gas-Pipelines freuen."Wir sind jetzt ideal vorbereitet für den künftigen, deregulierten Mark, der kundenfreundliche und günstige Anbieter braucht", meinte Jordan. Der lokale Energiemarkt in den USA ist erst in einigen Probezonen liberalisiert.Im Dezember beschloß HI, mit einem Partner aus San Diego ein 280 Mill.Dollar teures Gas-Kraftwerk nahe Las Vegas zu bauen, das für den künftigen, deregulierten Markt konzipiert ist.Die 480 Megawatt werden nicht in das Netz eines lokalen Monopol-Versorgers eingespeist, sondern meistbietend im gesamten Südwesten der USA angeboten. HL&P entstand 1882, drei Monate nachdem Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne, in New York City das erste Elektrizitätswerk Amerikas fertiggestellt hatte.Heute betreibt HL&P mit 7500 Angestellten zwölf Stromkraftwerke, wobei sowohl Kohle als auch Gas und Kernkraft benutzt werden.Fast das ganze Jahr 1997 über verhandelte HL&P mit den Aufsichtsbehörden in Texas über die Deregulierung des Marktes in Houston.Vor wenigen Wochen wurde ein Kompromiß erzielt.Über zwei Jahre wird HL&P die Kosten für seine Kunden um 166 Mill.Dollar senken müssen.Für den durchschnittlichen Privathaushalt bedeutet dies eine rund fünfprozentige Ersparnis. In den ersten neun Monaten 1997 machte HI einen Gewinn von 425 Mill.Dollar; im Vorjahreszeitraum waren es 369 Mill.gewesen.Der HI-Konzern hat 15 000 Angestellte, Vermögenswerte in Höhe von 18 Mrd.Dollar und einen Jahresumsatz von 9 Mrd.Dollar.

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