Wirtschaft : HP-Aktionäre entscheiden über Fusion mit Compaq

msh/siri/HB

Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden. Wenn die Aktionäre des Computerherstellers Hewlett-Packard (HP) am morgigen Dienstag im Flint Center im kalifornischen Cupertino über die geplante Übernahme des Konkurrenten Compaq Computer abstimmen, neigt sich ein Machtkampf dem Ende, der Investoren und Mitarbeiter fast ein halbes Jahr lang in Atem gehalten hat.

Die beiden Unternehmen hatten am 3. September 2001 angekündigt, zum zweitgrößten Computerbauer der Welt hinter Marktführer IBM fusionieren zu wollen. Schon kurz darauf regte sich Widerstand gegen den Megadeal. Experten bezweifelten den Sinn der Elefantenhochzeit. Ihre Argumente: Zu ähnliche Produktpaletten, eine gleichbleibende Schwäche im Servicegeschäft und hohe Integrationskosten. Schärfster Kritiker des Zusammenschlusses ist Gründerenkel Walter Hewlett, der über die Familienstiftung rund 18 Prozent an HP hält.

Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen. Niemand wagt vorauszusagen, ob die HP-Chefin Carleton Fiorina, die fast den gesamten Aufsichtsrat und die einflussreiche Finanzberatung ISS hinter sich hat, die Mehrheit der 900 000 Aktionäre auf ihre Seite ziehen kann. Schließlich stehen ihr die mächtigen Gründerfamilien der Hewletts und Packards, deren Stiftungen sowie eine ganze Reihe institutioneller Investoren gegenüber, die versuchen, den geplanten Zusammenschluss zu verhindern.

Bisher haben sich rund acht Prozent der Aktionäre für die Übernahme ausgesprochen; etwa 22 Prozent werden dagegen stimmen. "Die Entscheidung wird ganz knapp ausfallen", sagt Ed Soule, Wirtschaftsprofessor an der Georgetown University in Washington. Das erwartet auch Martin Reynolds, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner: "Doch die Chancen für die Fusion stehen jetzt besser als noch vor einigen Wochen." Die Anstrengungen Fiorinas und des 900 Mann starken Integrationsteams, das die Fusion der Unternehmen vorbereitet, hätten sich bezahlt gemacht.

Allerdings fällt es den Experten schwer, eindeutig zu sagen, wer die besseren Argumente auf seiner Seite hat. Für jedes positive Gutachten gab es ein Gegenstück mit negativem Szenario. "Vieles ist einfach auf die Zukunft gerichtete Spekulation", sagt Carlie Wolf, Analyst beim Investmenthaus Needham & Co., das gegen die Fusion stimmen wird. "Für den durchschnittlichen Investor sind die Argumente nur schwer nachzuvollziehen."

Wegen des manuellen Wahlverfahrens - weiße Zettel für und grüne Zettel gegen die Fusion - rechnen Experten damit, dass es von einigen Tagen bis zu zwei Wochen dauern wird, bis die Stimmen ausgezählt sind. Schlimmer noch: Das Wahlverfahren und die millionenschwere Anzeigenschlacht im Vorfeld fordern gerichtliche Klagen geradezu heraus. Eine Aktionärsklage gegen HP gibt es schon, weitere werden wohl folgen.

Egal wie die Wahl ausgeht, die Fusionsschlacht hat den Wert beider Unternehmen deutlich gemindert. Die Marktkapitalisierung von HP sank seit Bekanntgabe der Pläne im September 2001 um mehr als 1,95 Milliarden Dollar, Compaq verlor rund 1,08 Milliarden Dollar. Der Wert der Übernahme sank von 25 Milliarden Dollar auf 21 Milliarden. "Die Schlacht um die Übernahme war sehr schädlich", sagt Soule. "Das Management war völlig abgelenkt vom täglichen Geschäft. Und wenn die Fusion durchgeht, wird sie noch lange mit Skepsis beäugt."

Konkurrenten wie Sun und IBM versuchen derweil, auf Kosten von HP und Compaq Marktanteile zu gewinnen. Mit Erfolg: Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé - bisher HP-Kunde - wird Hard- und Software für 500 Millionen Dollar bei IBM kaufen.

Als fast sicher gilt, dass Fiorina zurücktreten muss, wenn die Aktionäre die Fusion ablehnen. Compaq kündigte an, nicht nach einem anderen Käufer zu suchen, wenn die Fusion platzt, sondern selbstständig weiter zu operieren. Die Aktionäre des Konzerns werden am Mittwoch abstimmen.

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