Wirtschaft : HP muss Milliarden abschreiben Börsenwert bricht um 14 Prozent ein

Palo Alto - Für Hewlett-Packard (HP) entpuppt sich ein noch vom deutschen Konzernchef Léo Apotheker eingefädelter Zukauf als finanzielles Desaster. Wegen mutmaßlicher Bilanzmanipulation beim Softwareunternehmen Autonomy schreibt der US-Computerkonzern 8,8 Milliarden Dollar ab. HP hatte im Oktober 2011 gut zehn Milliarden Dollar für Autonomy bezahlt. Der Aktienkurs brach im frühen New Yorker Handel um 14 Prozent auf 11,45 Dollar ein.

Die „ernsthaften Unregelmäßigkeiten“ in den Bilanzen seien erst aufgedeckt worden, nachdem Autonomy-Gründer Mike Lynch zur Jahresmitte aus dem Konzern ausschied, sagte HP-Chefin Meg Whitman in einer Telefonkonferenz. Ein Manager der britischen Softwarefirma habe einen Hinweis gegeben. Die US-Börsenaufsicht SEC und die britische Ermittlungsbehörde SFO seien inzwischen eingeschaltet worden.

HP geht davon aus, dass Autonomy-Führungskräfte bewusst die Bilanzen geschönt haben, um den Preis in die Höhe zu treiben. Von der Riesenabschreibung entfielen über fünf Milliarden Dollar auf die mutmaßliche Bilanzfälschung. Unter anderem seien Umsätze aufgebläht und die Rendite geschönt worden. HP wolle nun vor Gericht zurückholen, was möglich sei, kündigte Whitman an. Allerdings gehe sie davon aus, dass die Verfahren Jahre dauern könnten.

Durch die Abschreibung liegt der Verlust im vierten Geschäftsquartal (August bis Oktober) bei 6,9 Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte HP auch nur 239 Millionen Dollar verdient.

Hewlett-Packard hatte den Kauf von Autonomy im August 2011 verkündet. Apotheker wollte HP von Hardware auf Software trimmen und die PC-Sparte abspalten. Nur wenige Wochen später wurde er geschasst. Der Abschluss des Deals fiel bereits in Whitmans Zeit. Sie betont jetzt, dass auch die Wirtschaftsprüfer von Deloitte und KPMG die Bilanzmanipulationen nicht entdeckt hätten. dpa

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